Schlagwort: Madagaskar

Was geht rum? 04. September 2021

Schüler von Impfgegnern bedroht   

Luftfilteranlagen: Ja, aber!

Coronaausbruch in einer Schule trotz Masken und Luftfilter

Körpergewicht von Kindern in Zeiten der Pandemie

Wie geht’s an den Schulen weiter in der vierten Pandemiewelle? Klar wäre es ideal, wenn sich die Erwachsenen an die – nicht verschnupfte – Nase fassen und zum Wohle der Kinder impfen lassen würden. Aber das wird vermutlich nicht so kommen. Denn viele Impfgegner leben im Protest gegen Impfbefürworter, den Staat oder Bill Gates. Warum auch immer. Und sie  ignorieren die Kinder, die durch Schulschließungen im letzten Jahr dafür gesorgt haben, dass die Älteren unter ihnen überhaupt noch leben. Das haben die Impfgegner aber schon vergessen.

Ach so, da gibt’s ja noch die Lüftungsanlagen. Deren Beschaffung ist aus technischen (Geräteprüfung), finanziellen (nicht billig – wer bezahlt?) und politischen Gründen (alle Schulen/ KiTas sollen gleichbehandelt werden, Antwort in Berlin: keine bekommt einen Luftfilter) ein mühsames Unterfangen. So kann man sich gerne Lorenz Maroldt vom Tagesspiegel in Berlin anschließen: „Lieber die Lüftungsanlage an der Wand als die Spritze auf dem Dach.“

Oder vielleicht doch nicht? Das legt eine Beobachtung an einer Grundschule bei San Francisco im Zusammenhang mit dem Delta-Virus nahe. Eine Lehrerin an dieser Grundschule unterrichtete 24 Kinder, obwohl sie selbst Symptome von COVID-19 hatte und zwei Tage später auch als erkrankt getestet wurde. An dieser Schule bestand Maskenpflicht für alle, also auch für alle Kinder. Alle Klassenzimmer waren mit einer mobilen Lüftungsanlage ausgestattet und die Kinder saßen an Einzelbänken mit einem Mindestabstand von fast 2 Metern (6 feet). Die Impfquote (vollständig Geimpfte) in der Region betrug zu dieser Zeit enorme 72%. Dennoch kam es zu einem Ausbruch mit Coronainfektionen, nachdem die Lehrerin für eine kurze Zeit die Maske abgenommen hatte, um den Kindern laut vorlesen zu können: Unter den 22 ungeimpften Kindern wurden in der Folge 12 positiv getestet. In den ersten beiden Tischreihen waren sogar 80% der Kinder infiziert. Trotz idealer Bedingungen (Maskenpflicht, Abstandsregeln, Luftfiltersystem, Lüftung) wurden durch das laute Vorlesen der Lehrerin 55% der getesteten Schüler infiziert. Warum hatte dieser Mix an Maßnahmen  so wenig Wirkung?

Hamburger – manchmal auch in schwäbisch ummantelt mit Laugenweckle – sind für viele eine ständige Versuchung. Foto: ptw

Daheimbleiben statt In-die-Schule-Gehen wirkt sich nicht nur auf die Stimmung zuhause oder die Bildung aus. In vielen Fällen fällt auch Bewegung weg. Welches Kind rennt schon alleine im Lockdown um den Wohnblock? Gerald Jarnig am Grazer Institut für Bewegungswissenschaften hat sich in einer zufällig entstandenen Studie (in Englisch) auch der Frage des Körpergewichts in Zeiten der Pandemie gewidmet. Kurz und schwerwiegend: Bei den 760 Mädchen und Jungen zwischen 7 und 10 Jahren zeigte sich ein Übergewicht/Fettleibigkeit vor der Pandemie in 20,3% der Kinder. Im September 2020 waren es bereits 24,1 Prozent, somit ist die Gruppe der Übergewichtigen in einem Jahr um 20% größer geworden. Dazu hier für alle Interessierten auch ein Kommentar aus dem amerikanischen Ärzteblatt (JAMA; in Englisch).

Einzig verlässlich sind im Moment nur die Infektionen: Viele „Erkältungskrankheiten“ im Spätsommer, kaum Kinderkrankheiten seit einem Jahr und zum Glück wenig schwere Infektionen. Die Ruhe vor dem Sturm? Fast sieht es so aus im Beginn der 4. Pandemiewelle, der sich vielleicht die Influenza und die RS-Viren und eventuell noch einige andere Infektionen anschließen werden. Eine Gefahr besonders für Kinder von 6-12 Jahren, die ja weiter zur Schule gehen „sollen dürfen“. Da mag man nur rufen: Ungeimpfte, denkt auch an die Kinder!

Was geht in der Welt rum? In Madagaskar ist – fernab jeder Idylle – wieder die Lungenpest auf dem Vormarsch. Aus der kleinen Stadt Miandrandra südlich der Hauptstadt Antananarivo werden 7 Todesfälle gemeldet. Mittlerweile wurden 960 Kontaktpersonen identifiziert und isoliert. Die Pest sucht die viertgrößte Insel in Trockenperioden regelmäßig heim. Dann begeben sich die Ratten auf der Suche nach Nahrung näher an die Hütten der Menschen. Und mit ihnen auch die infizierten Flöhe, die dann den Erreger auf Menschen übertragen. Deswegen ist es in Madagaskar auch schwierig, den Ausbruchsherd überhaupt zu identifizieren und zu isolieren. So kommt es jedes Jahr zu Pestausbrüchen mit oft mehreren Hundert Todesfällen.

Das Wochenende verspricht Sonne und angenehme Wärme. Viel Spaß wünsche ich allen Familie, herzlichst Ihr

Impfungen weltweit: Wo stehen wir heute?

Impfungen gegen das Coronavirus ist das Thema der letzten Wochen. Aus einem Mangel an Impfstoffen wurde in den Industrieländern ein Überfluss. Auf der anderen Seite sind in den Ländern Lateinamerikas, Asiens und Afrikas nur wenige Menschen geimpft. Das hat zum Teil mit einem Mangel an Impfstoff zu tun. Ein größeres Problem ist aber, dass die Menschen in diesen Ländern häufig nicht ausreichend über Nutzen und Risiken der Impfungen aufgeklärt werden.

Ein Beispiel ist Madagaskar. Dort wurden 250.000 Dosen von Covishield – so nennt sich der Impfstoff von AstraZeneca, der in Indien produziert wurde –  im Mai 2021 für die Bevölkerung von etwa 28 Millionen Madegassen bereitgestellt. Ende Juni mussten zehntausende Dosen verworfen werden, weil nach dem Tod eines 42-jährigen Mannes nicht geklärt wurde, ob ein Zusammenhang mit seiner Impfung wenige Tage zuvor bestand. Laut Statista sind inzwischen 0.7% (Stand Ende Juli 2021) der Bevölkerung geimpft auf der Insel im Indischen Ozean.

Durchimpfung weltweit von 1980 bis 2019. Foto: The Lancet

Dass Impfungen auch ein Erfolgsmodell sein können zeigt eine Studie auf, die kürzlich im Lancet erschienen ist. Darin werden die Daten zu den Routineimpfungen bei Kindern zwischen 1980 und 2019 aufgeschlüsselt. Ein riesiges Werk. Und dieses Studie fördert erstaunlich gute Daten zu Tage: So weisen die Kinder weltweit eine komplette Impfung für Diphterie-Tetanus-Keuchhusten (DTP3 = 3 Mal in Folge DTP) in 81,6% vor. Diese Zahl hat sich seit 1980 mehr als verdoppelt (1980: 39,9%). Ähnlich sieht es für die erste Dosis einer Impfung mit Masern-Mumps-Röteln (MMR1) aus, mit der seit 2 Jahren 83,6% aller Kinder weltweit geschützt sind.

Die Zahl der völlig ungeimpften Kinder ging in den letzten 40 Jahren um erfreuliche 75% zurück und liegt nun bei 14,5 Millionen Kindern. Leider zeigt sich aber auch, dass in den letzten 10 Jahren die Erfolge stagnieren.

Langfristige Impfziele sind offensichtlich umsetzbar, bei den kurzfristigen (Corona-Impfungen) scheint das viel schwieriger zu sein. Das liegt auch daran, dass die Pandemie vielfach für politische Ziele genutzt wird. So stehen die allgemeinen Maßnahmen (Ausgangssperre u.a.) häufig in keiner Relation zu den Bemühungen, die Bevölkerung aktiv vor der Krankheit und deren negativen wirtschaftlichen Auswirkungen (z.B. Jobverlust) zu bewahren.

Was geht rum? 26. Juni 2021

Sommer I: Schwimmen lernen – weil’s Spaß macht und vorm Ertrinken schützt

Sommer II: Mit Sonne weniger Corona-Infektionen

Sommer III: Erneut erheblicher Gräserpollenflug

Sommer: IV: Kaum Infektionen

Schwimmen in Bädern, in Seen oder im Meer ist für viele der Höhepunkt eines Sommer. Mit der Corona-Pandemie dürfte jedoch die Zahl der Kinder die schwimmen können zurückgegangen sein. Aus den USA liegen Daten vor, die klarmachen, wie wichtig die Fähigkeit zu schwimmen für Kinder ist. Demnach ist der Ertrinkungstod die zweithäufigste Todesursache von Kindern unter 14 Jahren. Das gilt auch für Deutschland. Bei uns sind es pro Jahr 30-40 Kinder, die so ihr Leben verlieren. Umso wichtiger ist es, Kinder in diesem Sommer den Wasserspaß genießen zu lassen. Damit sie Lust bekommen, schwimmen zu lernen.

Einflussfaktoren auf den saisonalen Rückgang der SARS-CoV-2 Infektionen im Sommer in Europa. Foto: Tomáš Gavenciak et al., 2021

Drängt der Sommer die Bedeutung der Coronaviren zurück? Betrachtet man die Erkrankungszahlen scheint dies der Fall zu sein. Auch Wissenschaftler wie Prof. Drosten von der Charité weisen darauf hin: „Nach derzeit konsensfähigen Schätzungen bewirkt der Sommereffekt ca. 20% Reduktion“ schreibt er auf Twitter. Eine Studie der Universität Oxford findet mit ihren Modellrechnungen, dass in 143 gemäßigten Klimazonen in Europa ein Rückgang der Übertragung von 42,1% zum letzten Winter stattgefunden hat. Diese Saisonalität ist jedoch komplexer als gedacht, wie die obenstehende Graphik (in Englisch) zeigt. So geht der Sommer mit mehr UV-Strahlung einher, Menschen halten sich länger draußen auf und somit wird die Empfänglichkeit für Infektionen auch über höhere Vitamin-D-Spiegel vermutlich verringert.

Vor den Ferien hat das Auswärtige Amt eine wichtige Änderung umgesetzt: Ab Juli werden nur noch Reisewarnungen für Hochrisikogebiete ab einem Inzidenzwert von 200 (Neuinfektionen mit dem Coronavirus auf 100.000 Einwohner pro Woche) ausgesprochen.

Die Gräserpollensaison wird zum Wochenende einen zweiten heftigen Anlauf nehmen. Dieser wird vom (geringen) Flug der Spitzwegerichpollen begleitet sein.

Atemwegsinfektionen sind jahreszeitlich bedingt weiterhin selten. Bei den Kinderkrankheiten wirken die Corona-Schutzmaßnahmen nach: keine Masern, kein Mumps, keine Röteln im Ländle in der letzten Woche. Der Sommer ist eine gute Gelegenheit, das Impfheft herauszuholen und fehlende Impfungen (nicht nur) bei Kindern nachzuholen.

Was geht in der Welt rum? In Madagaskar steigt die Zahl der Malaria-Erkrankten seit dem vierten Quartal 2020 stark an. Bis März dieses Jahres wurden etwa 768.200 Fälle dokumentiert, wobei die südlichen Regionen der Insel im Indischen Ozean besonders stark betroffen sind. Dort regnet es – vermutlich infolge des Klimawandels – in den letzten Jahren kaum noch, die chronische Unterernährung (stunting) nimmt dramatische Ausmaße an und die Gesetzeslosigkeit (Vieh-Diebstahl von sog. valahos) ebenso. Als Reiseziel ist diese Region aus genannten Gründen kaum zu empfehlen. Für  unerschrockene Menschen dürften die Malariaprophylaxe oder das Verhindern von Coronainfektionen vernachlässigbare Probleme sein.

Ich wünsche Ihnen ein genussvolles Sommerwochenende mit Ihrer Familie. Herzlich grüßt Sie  Ihr

Was geht rum? 13. März 2021

Zecke (1): FSME bei Kindern in Baden-Württemberg

Zecke (2): Borreliose – häufiger, aber nicht immer harmloser

COVID-19-Verläufe bei Kindern in Kliniken

Infektionen: Keuchhusten und Rotaviren selten. Läusemittel als Ladenhüter

Diese Frühjahr verläuft anders als viele in den Jahren zuvor. Auf der einen Seite die Verbreitung des Coronavirus, auf der anderen der Rückgang der Infekte. Krupphusten oder Bronchitis sind bei Kindern deutlich seltener als zuvor. Läuse besiedeln die Köpfe der Menschen im Ländle weniger denn je, aber die Zecken legen massiv los. Wir müssen uns umstellen. Nichts ist wie es früher war.

Inzidenz der FSME in Süddeutschland.  Quelle: RKI (modifiziert)

Zecke (1) Die Zeckensaison rückt näher. Es lohnt sich also ein Blick auf die aktuellen Daten, die das RKI kürzlich im epidemiologischen Bulletin zur Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis (FSME) präsentierte. Dabei zeigte sich für Baden-Württemberg, dass weiterhin nur der Stadtkreis Heilbronn nicht zu den Risikogebieten gehört. Alle anderen weisen über jeweils einen 5-Jahres-Zeitraum (z.B. 2015-2019) eine Inzidenz von >1 auf 100.000 Einwohner auf. Teilweise liegen die Werte deutlich darüber, wie die Karte zeigt.

FSME-Erkrankungen pro 100.000 Einwohner in Baden-Württemberg und Bayern. Quelle: RKI (modifiziert)

Auch Kinder sind von der FSME in erheblichem Maße betroffen. Dabei fallen die häufigen Infektionen im Jahre 2020 auf – dem Rekordjahr für FSME bislang. Welche Rolle dabei der Rückzug ins Private durch die Coronapandemie spielte ist nicht geklärt.

Bisher lag der Rekord für FSME-Infektionen im Jahre 2018: 288 Fälle in Baden-Württemberg. Im Jahr drauf waren es 171, im letzten Jahr (2020) waren es dann 350 Neuerkrankungen.

Gerade die hohen Inzidenzen schon bei Kindern im Grundschulalter erschreckt. War die FSME bei Kindern früher eine Seltenheit, so ist sie inzwischen bereits bei Kleinkindern so häufig, dass 1 von 100.000 Kindern dieser Altersgruppe im letzten Jahr daran erkrankte. Eine Impfung wird also auch für Kinder immer bedeutsamer. In Baden-Württemberg wird eine solche schon ab dem ersten Geburtstag empfohlen, in der Schweiz erst ab 6 Jahren.

Zecke (2) Nicht zu vergessen die Borreliose. Während Zecken in den Risikogebieten nur zu etwa 0,1% bis 5% das FSME-Virus tragen, liegt die Rate der Zecken die die Borrelien im Gepäck haben bei 5-35%, also fast 10 Mal höher. Die Borreliose ist auch deswegen die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung in Europa. Zecken werden allgemein „im Wald“ vermutet, sind aber auch dort eher im lichten Unterholz und in höheren Gräsern bis etwa 1,5 m Höhe zu finden. Aktiv sind sie von jetzt an bis Oktober. Nur bei 0,3 bis 1,4% aller Zeckenstiche kommt es zu Krankheitssymptomen. Diese zeigen jedoch eine Zeitverzögerung. Deswegen sollte die Stichstelle der Zecke markiert und danach täglich bis zu 14 Tage kontrolliert werden. Die Borreliose tritt geschätzt bei 30-40 von 100.000 Personen pro Jahr in Deutschland auf. Dabei gibt es unterschiedliche Krankheitsbilder, die die Haut (Ery­thema migrans; Borre­lien-Lympho­zytom; ACA), das Herz, die Gelenke (chronische Lyme-Arthritis) oder das zentrale Nervensystem (Meningitis, Enze­phalo­myelitis u.a.) betreffen. Die Borreliose ist verläuft oft nicht so harmlos wie angenommen, ist aber in vielen Fällen (aus in den Spätformen) mit Antibiotika behandelbar.

Wie gut geht es Kindern, wenn sie nach einer COVID-19-Infektion aus einer Klinik in Deutschland oder Österreich entlassen werden? Zahlen von Januar 2020 bis März 2021. Quelle: DGPI

COVID-19 bei Kindern verläuft oft harmlos. Aber nicht immer, wie eine Zusammenstellung der Corona-Erkrankungen vieler Kinderkliniken in Deutschland und Österreich zeigt. Etwa 3/4 der betroffenen Kinder erholen sich komplett, ebenso haben haben aber 1/4 aller Kinder noch Restsymptome wenn sie die Klinik verlassen.

Schulen und Kindergärten sind wieder offen. Wenigstens ein bisschen. Ebenso offen ist, mit welchen Konzepten der Betrieb von Schulen und KiTas langfristig weitergehen kann. Masken, gar FFP-2 für jeden Schüler jeden Tag? Fehlanzeige. Selbsttests zweimal pro Woche im Klassenverband, um aufbrechende Cluster schnell zu erkennen? Fehlanzeige. Dann wenigstens Lüftungen, die schon vor Monaten diskutiert wurden? Zwei bis 5% aller Klassenräume sind damit ausgestattet. Also wieder eine wichtige Chance verpasst, den Kindern und Jugendlichen die Chance für ein soziales Zusammensein, Bildung und Spaß endlich zu gewähren. Wo findet sich ein Verantwortlicher mit Weitblick?

Neues vom Coronavirus? Ja. Erstens: Eine große Studie von Joshua P. Metlay und Kollegen aus Boston untersuchte 7.262 COVID-19-Infizierte und ihre 17,917 Haushalts-Angehörigen. Es zeigte sich, dass das Ansteckungsrisiko für Mitglieder des gleichen Haushalts bei 10.1% liegt. Zweitens: Eine Studie der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC um Daniel Owusu und Mitarbeiter bestätigte, dass Infizierte bei mildem und mäßigen Krankheitsverlauf nach dem 10. Tag ab Symptombeginn nicht mehr ansteckend sind.

Infektionen sind wie in den letzten Monaten selten. Das bedeutet auch, dass Apotheken weniger Erkältungsmittel verkaufen können. Allein der Pharmakonzern Bayer gibt an, dass in diesem Segment Einbußen von 20% zu verzeichnen waren. Das betrifft Präparate wie  «Grippostad», «Mucosolvan», «Wick» und «Alka-Seltzer Plus». Noch größere Verluste von fast 50% gab es für Läusemittel. Corona hat für die Gesundheit von vielen Menschen auch positive Aspekte mit sich gebracht.

Weiterhin sind Infektionen selten. Besonders erfreulich ist die geringe Zahl an Keuchhusten-Erkrankungen im Ländle: 34 Fälle seit Jahresbeginn, weniger als 10% gegenüber 2020 (383 Mitte März). Niedrig sind die Magen-Darm-Infektionen mit dem Rotavirus, das gerade „seine Saison“ hat: 66 Fälle, gegenüber 186 im letzten Jahr zu dieser Zeit.

Haselpollenblüte im Schwarzwald. Quelle: ptw

Diese Woche erreichten die Pollenflüge wieder erste Jahreshochs. Doch am Wochenende und zum Wochenbeginn wird es wohl ruhig werden. Der Regen wird’s richten.

Die Studie (in Englisch) einer COVID-19/POLLEN Studiengruppe von Anasthasios Damialis und Mitarbeiter aus München und Augsburg hat diese Woche für Aufsehen gesorgt. Die Forscher konnten nachweisen, dass parallel mit dem Pollenflug auch das Risiko steigt, an COVID-19 zu erkranken. Immerhin ist die Natur gerecht: Das Risiko steigt für alle, egal ob sie Allergiker sind oder nicht. Denn die Pollen setzen beim Menschen Verbindungen frei, die das Immunsystem hemmen. Dieser Prozess ist mengenabhängig: Ist die Pollenbelastung also hoch (z.B. > 500 Pollen/m3 Luft), steigt das Risiko für Virusinfektionen – also auch COVID-19- um bis zu 20%. Beobachtungen des Pollenflugs sind in diesem Jahr wichtiger denn je.

Was geht in der Welt rum? Natürlich vornehmlich die Coronainfektionen. Und immer wieder geht es um die Frage der Impfungen. Da gibt es Länder, in denen bislang niemand aus der breiten Bevölkerung geimpft ist wie in Madagaskar. Dort wurden nach trotz Millionenhilfen der EU seit einem Jahr 120.000 Menschen auf das Virus untersucht, wie das Ministerium für Gesundheit in Antananarivo berichtete. Bislang wurden nur 20155 Infizierte und 300 Todesfälle registriert (Stand: 10.03.2021; Johns Hopkins University). Und es gibt andere, die beim Impfen ganz vorne sind. Chile steht da zur Zeit an erster Stelle. Im Durchschnitt der vergangenen sieben Tage wurden 1,08 Dosen am Tag pro 100 Einwohnern verimpft, in Israel 1,03. Menschen sind auch sehr abhängig davon, wie fair sich Regierungen verhalten.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.

Herzlichst grüßt Sie

Ihr

 

In eigener Sache: Asthma bei Kindern in Madagaskar

In Madagaskar stellt sich für vier von fünf Menschen jeden Abend die Frage: Wo finde ich morgen Arbeit? Und: Wird der Lohn reichen, mich und meine Familie zu ernähren. Oft reicht er nicht. Deswegen leiden 80% aller Kinder und Jugendlichen in Madagaskar unter chronischer Unterernährung. Zu wenig Nahrung, um eine normale Entwicklung  zu durchlaufen. Zu viel Nahrung, um dramatische Bilder für die Weltpresse zu liefern.

Ein Studienort im Distrikt Ankazobe Quelle: ptw

Welche Bedeutung hat dann eine Studie über Asthma bronchiale in Madagaskar? Auch in einem armen Land ist es wichtig, den Stellenwert solcher Krankheiten zu kennen, die im Alltag für die meisten zweitrangig sind. Asthma, so zeigte sich, ist in Madagaskar genauso bedeutsam wie in Deutschland und anderen Industrienationen. Nur war das bisher unbekannt, kaum einer hat sich um die Versorgung der betroffenen Kinder und Jugendlichen bemüht.

In einer ersten Studie im Jahre 2013 hat unsere Arbeitsgruppe mit Unterstützung durch Prof. Dr. Bodo Niggemann von der Charité in Berlin die Situation in der Hauptstadt Antananarivo beleuchtet. Dass in der pulsierenden Stadt mit tausendfach stinkenden Kleinbussen und Autos Asthma vorkommen würde, hat nicht verwundert. Aber dass in einer Schule in der Innenstadt bei 10% aller Kinder verengte Atemwege in der Lungenfunktion festgestellt wurden, das erstaunt dann doch.

Dorfzentrum von Sambatra (Distrikt Ankazobe) Quelle: ptw

Wir stellten uns dann die Frage: Wie häufig ist die pfeifende Atmung („wheezing“) auf dem Lande anzutreffen? Man braucht nicht weit aus der Hauptstadt wegzufahren, um fast im Mittelalter anzukommen. Knapp 80 Kilometer nördlich fanden wir ein idyllisch gelegenes Dorf: Fihaonana. Dort leben Menschen noch zumeist in traditionellen strohgedeckten Adobe-Häusern, ohne Strom, fließend Wasser oder Handy. Dementsprechend ist es stockfinster, wenn abends die Sonne am Horizont verschwindet. Am Morgen wecken einen knarrende Ochsenkarren oder Hühner, die aus dem schützenden Wohnhaus entlassen werden. Die Bevölkerung und ihr umtriebiger und ehrlicher Bürgermeister Olivier Rasolomahatratra waren so freundlich, uns bei der Ermittlung der Daten zu unterstützen.

Neben dem MAKI-Studienzentrum in Fihaonana    Quelle: ptw

Das Ergebnis dieser Untersuchung ist gerade in ALLERGY, der bedeutendsten Fachzeitschrift für Allergie und Immunologie in Europa, erschienen. Unter dem Titel High prevalence of wheeze and atopy in rural Malagasy children (in Englisch) beschreiben meine Mitautoren und ich, welchen Einfluss Asthma und Allergien für Kinder und Jugendliche auf dem Land haben.

Ein Studienzentrum in einem Schulraum bei Fihaonana. Die Stromversorgung für das Lungenfunktionsgerät läuft über einen Generator, der vor dem Haus steht. Quelle: ptw

Es zeigte sich, dass auch auf dem Lande ohne Luftverschmutzung durch Straßenverkehr und Industrie, Asthma gleich häufig auftrat wie in der Metropole Antananarivo. Als Ursache stehen Allergien gegen Hausstaubmilben (Dermatophagoides pteronyssinus) und die Küchenschabe (Engl: cockroach) im Vordergrund. Das ist nicht viel anders als in vielen anderen Ländern. Bei uns in Deutschland sind die Hausstaubmilben führend, in vielen Regionen der USA sind es die Hausstaubmilben und die Küchenschaben, wie in Madagaskar auch. Der Effekt von Armut konnte nicht untersucht werden, weil alle Menschen in der Region – etwa gleich – arm sind. Exemplarisch zeigen dies die Daten zu Mobilität: In den untersuchten 210 Haushalten gab es in 83 Fällen (39,5%) ein Fahrrad, aber nur in einem einzigen ein Auto.

Asthma und Allergien kommen somit in Madagaskar etwa in gleicher Häufigkeit vor wie in vielen Ländern der Welt. Dennoch bleibt ihre Bedeutung für Kinder und Jugendliche angesichts der massiven Armut mit chronischer Unterernährung und enorm hoher Kinderarbeit zweitrangig.

Auf der Basis dieser Daten gilt es jetzt das Land darin zu unterstützen, die betroffenen Kinder und Jugendlichen zu identifizieren. Denn trotz des Hungers leiden auch sie an Atemnot und den Folgen daraus – wie unsere Kinder in Deutschland. Und es gilt dabei zu helfen, eine effektive Therapie für die betroffenen Kinder und Jugendlichen zu ermöglichen. Hoffen wir, dass trotz der Corona-Pandemie dies bald umsetzbar sein wird.

Was geht rum? 16. Mai 2020

Die Öffnungen von Schulen und KiTas werden in den Medien breit diskutiert. Endlich. Trotzdem müssen noch viele Kinder zuhause warten und dürfen sich nicht mit ihren Freunden regelmäßig treffen. Bei dieser Pandemie geht es inzwischen um mehr als eine zügellose Infektion und eine Krise der Weltwirtschaft. Das Wohlergehen der Kinder ist bedroht.

Schulklasse in in den 1960’gern. Kein Laptop, kein Corona. Aber Schiefertafeln zum Schreiben, was sehr kostengünstig war. Quelle ptw

Schauen wir auf die Kleinkinder. Seit 2 Monaten sind die KiTas faktisch geschlossen. Es gibt keine Gruppenspiele mehr. Aber genau das ist es, was Zweijährige suchen und brauchen. Die ersten Lebensjahre waren sie in den Kleinstfamilien oft nur mit den Eltern zusammen. Jetzt hätten sie die Chance, mit anderen Kindern um die Wette zu rennen, zu spielen oder zu singen. Zwei Monate keine Kita bedeutet für sie – bisherige Leben gerechnet – fast 10% Ausfall des sozialen Lebens. Für die Schulkinder gilt ähnliches, vielleicht nicht so dramatisch. Ihnen droht ein essentieller Lebensabschnitt verloren zu gehen.

Einen kleinen Vorteil hat die Situation dann doch. Gerade Kleinkinder sind so gesund wie noch nie. In der Praxen der Kinder- und Jugendärzte tauchen nur wenige Kinder mit Infekten auf. Das wird sich alles wenden, wenn sie wieder zusammenkommen. Viren und Bakterien werden dann munter ausgetauscht. Neben den verschiedenen Corona-Viren – es gibt ja auch harmlose Vertreter dieser Gruppe- werden auch Rotaviren, Streptokokken und Meningokokken weitergegeben. Wird das eine besonders heftige Infektwelle werden? Wir wissen es nicht. In dieser Krise machen wir viele neue Erfahrungen. Was die Kinder betrifft, sollten wir andere gefährliche Keime jedoch nicht aus dem Blick verlieren.

Gräserpollenflug im Bodenseeraum. Quelle: www.pollenundallergie.ch

In den kommenden Tagen müssen wir uns und unsere Kinder wieder auf den Pollenflug vorbereiten. Die Gräserpollen-Belastungen erreichen dann nochmals Höchststände. Also schnell nachschauen, ob auch alle Medikamente zur Erleichterungen von Beschwerden (releiver) in der Hausapotheke vorhanden sind.

Die Zahl der Infekte ist wie seit Wochen gering. Bei den Kinderkrankheiten sind die Zahl der Erkrankungen mit Keuchhusten und Windpocken auf niedrigem Niveau. Auffallend sind nur Masern (keine Erkrankungen) und Mumps: Hier liegen die Neuerkrankungen in diesem Jahr 4 Mal höher als im letzten Jahr. Warum das so ist, bleibt unklar. Darminfektionen mit Rota- oder Noroviren sind für Kinder landesweit unbedeutend.

Was geht in der Welt rum? Von den weltweiten Kontaktbeschränkungen zeigt sich die Malaria unbeeindruckt. Da sie durch Mücken übertragen wird, bleibt sie ein Dauerproblem besonders in den Ländern Afrikas. In Namibia haben sich in diesem Jahr doppelt so viele Menschen (> 1100) angesteckt wie im letzten Jahr. Deutlich mehr Malariaerkrankungen gibt es auch in Madagaskar und in Simbabwe. Dort sind inzwischen 236.300 Menschen infiziert und 226 von ihnen daran verstorben.

Auch diese Woche erscheint wieder unser EXTRA-blättle zum Thema „Coronainfektionen bei Kindern“. Diesmal aber erst am Montag. Darin finden Sie wieder aktuelle Informationen, die für Sie als Eltern besonders interessieren dürften.

Ich hoffe,Sie können das Wochenende bei wärmenden Sonnenstrahlen hoffnungsvoll genießen, trotz der vielen schwierigen Nachrichten, die im Moment verarbeitet werden müssen. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 14. März 2020

Vermutlich nimmt bei Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, die Verwirrung in diesen Tagen täglich oder stündlich zu. Nun hat sogar der Vatikan die Schließung aller katholischen Kirchen in Italien verfügt. Seltsame Zeiten. Nein, das ist keine Science Fiction. Wir erleben eine Krankheit, COVID-19 genannt, die sich über den Erdball ausbreitet. Und gleichzeitig erleben wir persönlich von dieser Krankheit in den meisten Fällen nichts. Außer den Folgen von Sorgen, Angst oder Panik. Was sollen wir also glauben? Hier dazu sechs Fakten.

Erstens. Der amerikanische Präsident hat den Schuldigen gefunden. Das SARS-CoV-2 Virus sei ein „ausländisches Virus“. Sehr praktisch. In der Geschichte gab es mehrfach Versuche, „Ausländer“ zu brandmarken. Zum Beispiel die Syphilis (Geschlechtskrankheit). Die Franzosen nannten sie seinerzeit „englische Krankheit“, die Engländer „französische Krankheit“. Grenzen können nicht effektiv geschlossen werden, weder damals, noch heute. Es ist für uns wenig bedeutsam, wo das Coronavirus herkam. Wichtig ist, es breitet sich weltweit aus. Und wir sollten dazu beitragen, dass diese Verbreitung weniger heftig verläuft.

Zweitens. Länder sind unterschiedlich organisiert und haben Gesundheitssysteme, die mal besser, mal weniger gut aufgestellt sind. Das erklärt zum Teil, warum die Erkrankungsfälle und Todesfälle von Land zu Land so stark variieren. Aber eben nur zum Teil. Großteils wissen wir und unsere Experten noch zu wenig über diesen Erreger. Aber wir alle lernen täglich dazu.

Wasser und Seife – alles was es braucht, um das Risiko für Ansteckung drastisch zu senken Quelle pixabay; Susanne Jutzeler

Drittens. Für uns in Baden-Württemberg ist im Moment noch alles ziemlich gut. Nach Angaben des SWR sind, Stand diese Woche, 2,5 von 100.000 Menschen infiziert. Von diesen sind 80% nur leicht betroffen. Das ist eine gute Basis. Weil wir bereits wissen, dass das Coronavirus sich rasch ausbreiten kann, helfen Hygienemaßnahmen (wie das Händewaschen) und die Vermeidung großer Menschenansammlungen enorm, um eine schwere Epidemie im Ländle zu vermeiden.

Viertens. Wie erklärt sich, warum wir trotz der wenigen Infektionen im Lande so vorsichtig sein sollen? Die Ausbreitung von Krankheiten hängt von einer Reihe Faktoren ab. Dabei sind viele wie die Inkubationszeit (Zeit zwischen Ansteckung und Erkrankung), die Latenzzeit (Zeit bis eine angesteckte Person selbst für andere anstecken wird) und die Zeit der Ansteckungsdauer nicht veränderbar. Sie sind vom Erreger, also hier dem Coronavirus, vorgegeben. Worauf wir als Menschen einen Einfluss haben, ist die Basisreproduktionszahl Ro. Diese Zahl zeigt an, wie viele Personen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Beim SARS-CoV-2-Erreger sind das nach den bisherigen Forschungen 2,4 – 3,3 Personen. Nach statistischen Analysen würde dies bedeuten, dass zwei Drittel der Bevölkerung über die kommenden Monate angesteckt würden, bevor sich niemand mehr anstecken kann. In China lag diese Zahl Ro nach einer letzten Studie im Januar bei 3,86 und wurde durch die drastischen Maßnahmen wie die Abschirmung von Millionenstädten auf Ro=0,32 Mitte Februar gesenkt. Man hatte also erreicht, dass es nur jedem dritten Infizierten gelang, eine weitere Person zu infizieren.

Bodensee im Frühling   Quelle   ptw

Fünftens. Viele versuchen die Angst zu schüren und den Weltuntergang zu beschwören, besonders die Börse, die vor wenigen Tagen noch ihre Rekorde feierte. Wir sollten aber wissen, dass die Verbreitung des Coronavirus ähnlich verläuft wie beim Influenzavirus und anderen Viren auch. Erkrankungen mit diesen Viren haben wir alle durchgemacht. Und überstanden. Wir dürfen also entspannt bleiben, sollten aber unseren Alltag anders organisieren. Statt großer Feste können wir schöne Spaziergänge in der erwachenden Natur machen. Für Baden-Württemberg hat die Regierung entschieden, dass ab Dienstag der kommenden Woche alle Kindergärten und Schulen bis zu den Osterferien geschlossen werden. Dann wird es für die berufstätigen Eltern der etwa 2 Millionen Schüler mühsam. Sie müssen ihren Alltag umkrempeln und im engeren Umfeld nach Lösungen suchen, wie ihre Kinder tagsüber betreuen (lassen) können. Eltern, die beide in einem „besonders sensiblen Beruf“ (Polizei, Feuerwehr, Gesundheit u.a.)  arbeiten, erhalten Hilfe vom Land.

Sechstens. Eine Impfung ist in diesem Jahr realistischerweise nicht zu erwarten. Sollte eine entwickelt sein, bräuchte sie noch Monate, um ihre Wirksamkeit und gute Verträglichkeit zu belegen. Wer anderes sagt hat im besten Fall wenig Ahnung. Es gibt im Moment aber eine kleine Aussicht auf eine ursächliche Therapie. Die Substanz heißt Remdesivir und wurde ursprünglich als Therapie gegen das Ebola-Virus entwickelt. Von ihr ist bereits bekannt, dass sie gut verträglich ist. Zwei Studien versuchen gerade zu erforschen, ob sie auch eine ausreichende Wirkung hat. Mit Ergebnissen – sagen die Forscher – könnte in einem Monat zu rechnen sein.

Kinder und Jugendliche können vermutlich zur Ausbreitung der COVID-19 beitragen, erkranken aber selten daran. Wenden wir uns also den Krankheiten zu, die die Jüngsten im Lande persönlich jetzt härter treffen könnten. Wie erwähnt, ist die Influenza die häufigste und schlimmste Infektion im Ländle in diesen Tagen. Die Hygienemaßnahmen (Händewaschen, Reinigen von Türklinken etc.) helfen auch gut gegen die Grippe. Geimpfte Personen haben etwa ein halb so großes Risiko krank zu werden. Immerhin. Es gibt noch einige weitere Viren, die Atemwegsinfekte auslösen: das RS-Virus, das humane Metapneumovirus (HMPV), das Rhinovirus, das Adenovirus , einige Parainfluenzaviren und – erschrecken Sie nicht – die Coronavirus-Typen 229E (CoV 229E), OC43, NL63 und HKU1 (seit den 1960ger Jahren wurden weltweit mehr als 40 verschiedene Coronaviren entdeckt). Letztere sind also schon Jahrzehnte unterwegs und befallen Kinder. Man weiß, dass etwa 15-30% aller „Erkältungen“ der letzten Jahrzehnte auf ein Corona-Virus zurückgehen und meist harmlos verlaufen. Alle lösen in unterschiedlichem Ausmaß Schnupfen, Husten und Fieber aus. Und gegen alle hilft was wir täglich hören und hier lesen: Hygiene, meiden großer Menschenansammlungen.

Eschenpollen-Konzentrationen der Pollenfalle in Münsterlingen (Schweiz)  Quelle  www.pollenundallergie.ch

Ach so, es gibt ja noch die Pollen. Fast vergessen. Die Zeit der Hasel- und Erlenpollen ist vorbei. Der Flug der Eschenpollen hat bereits eingesetzt, obwohl dies im langjährigen Mittel erst Anfang April zu erwarten wäre. Es ist mit mittleren Konzentrationen zum Wochenende und einer weiteren Zunahme in der kommenden Woche zu rechnen.

Eigentlich wollte ich in diesem praxisblättle vom Kongress der amerikanischen Allergologen (AAAAI) in Philadelphia berichten, wo ich selbst an diesem Wochenende ein Poster über eine Studie zu Allergien und Asthma bei Kindern in Madagaskar vorstellen wollte. Zu Recht wurde dieses Meeting wegen der Pandemie abgesagt und so erlebe ich den zarten Frühlingsbeginn in Oberschwaben.

Was geht in der Welt rum? Das Hauptthema weltweit bleibt das SARS-CoV-2 genannte Coronavirus. Glücklicherweise löst es bei Kindern und Jugendlichen nur selten eine Krankheit aus. Aber das Ansteckungsrisiko ist auf allen Reisen nachweislich höher – für Coronaviren wie für Influenzaviren. Insofern ist es im Moment ratsam, sich mit Kindern nicht auf grössere Reisen zu begeben (sofern überhaupt Flüge möglich sein sollten). Schwerwiegender als die beiden Viren ist beispielsweise das Gelbfieber-Virus in Brasilien, das bereits zu mehreren Todesfällen in diesem Jahr führte. Dagegen gibt es aber eine hervorragend wirksame Impfung. Bei Reisen in exotische Länder sind im Moment die Gefahren höher als sonst. Wer nicht aus beruflichen Gründen losziehen muss, bleibt lieber im Land. Der Schwarzwald hat auch seine Reize!

Ich wünsche Ihnen für das Wochenende viel Sonnenschein und schöne Spaziergänge mit Ihren Kindern. Und bleiben Sie nächste Woche mutig, auch wenn’s manchmal mühsam sein sollte. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

 

 

Aluminium – ein Metall das auch in unserem Essen vorkommt

Aluminium ist das häufigste Metall in der Erdkruste. Und da es viele günstige Eigenschaften besitzt, findet es sich auch im Alltag der Menschen immer wieder. Und wie bei allem: zu hohe Konzentrationen können schaden. Ganz besonders den Kindern. Das wusste schon Paracelsus: Dosis sola facit venenum – Die Dosis macht das Gift.

Korund. Foto: Wikipedia.com

Aluminium gilt als unedles Metall, weil es zumeist an andere Elemente gebunden vorkommt. In Korund, einem Halbedelstein, findet es sich zu 57%. In geringerer Konzentration kommt es auch in Rubinen oder dem Saphir vor.

Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) hat sich mit der Frage beschäftigt, ob Aluminium die Gesundheit gefährden kann. Dazu wurde von dort im November eine interessante Abschätzung über mögliche Gesundheitsrisiken veröffentlicht.

Wo findet sich Aluminium in unserem Alltag?

Aluminium kommt, entsprechend seiner Bedeutung in der Erdkruste, in verschiedenen Lebensbereichen vor. Die wichtigsten sind:

  • Lebensmittel: Tee, Kaffee, Gewürze und kakaohaltige Lebensmittel; Laugenbrezeln, die auf Aluminiumblechen gebacken wurden
  • Kosmetika: fast alle Deos (Antitranspirantien), viele Zahncremes, Sonnencremes, Lippenstifte
  • Gegenstände: Alufolie, unbeschichtete Menüschalen, Geschirr. Töpfe und anderes Geschirr unterliegen Regelungen der EU. Hier kommt es darauf an, dass die Legierung bei der Erhitzung weniger als 5 mg/ kg Metall in die Lebensmittel freisetzt

Aluminium wird in geringen Mengen ständig aufgenommen. Akute Vergiftungen sind im Alltag wohl kaum möglich. Gefahren bestehen eher bei langfristig erhöhter Aufnahme. Dann stehen Wirkungen auf das Nervensystem, auf die geistige und motorische Entwicklung von Nachkommen sowie Schädigungen der Niere und der Knochen im Vordergrund. Diese gilt es also zu vermeiden. Aber: „Es bestehen noch wissenschaftliche Unsicherheiten, besonders bei der Einschätzung der Langzeitfolgen sowie der tatsächlichen Aufnahmemengen von Aluminium über die Haut“, sagte BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel.

Wo findet sich besonders viel Aluminium?

In verzehrfähigen Lebensmittel sind meist unter 5 Milligramm Aluminium bezogen auf 1 Kilogramm Frischmasse enthalten. Höhere Werte von über 20 mg/kg finden sich in Hülsenfrüchten, Nüsse, Ölsaaten und Gewürzen, aber auch Zucker, Süßwaren und wasserbasierten Desserts. Und – wichtig für Bewohner des Ländles – auch in Laugenbrezeln, die auf Aluminiumblechen gebacken wurden.

Was kann ich tun um die Aluminiumaufnahme gering zu halten?

Da wir Aluminium aus verschiedenen Quellen aufnehmen, gilt es auch, alle diese Lieferanten von Aluminium zu reduzieren:

  • Kosmetika: besonders wichtig ist die Anwendung aluminiumhaltiger Deodorantien zu vermindern. Alle äußeren Anwendungen sollten nur auf die intakte Haut erfolgen. Bei Schnitten (z.B. Rasur) auch Vorsicht bei Anwendung von Sonnencremes.
  • Lebensmittel: eine diverse Kost ohne Einseitigkeiten verhindert eine Aufnahme problematischer Aluminiummengen

Was gilt für Säuglinge und Kinder?

Hier empfiehlt das BfR: Gestillte Säuglinge nehmen wesentlich geringere Mengen an Aluminiumsalzen auf als nicht gestillte. Denn Säuglingsanfangs- und -folgenahrung weist im Mittel deutlich höhere Aluminiumgehalte auf als Muttermilch. Speziell adaptierte, beispielsweise sojabasierte, laktosefreie oder hypoallerge Säuglingsnahrung kann noch einmal deutlich höhere Mengen an Aluminium enthalten. Das BfR rät, wenn möglich, Säuglinge bis zum sechsten Lebensmonat ausschließlich zu stillen und dann mit normaler Kost zuzufüttern.

Auch aus Impfstoffen nehmen Säuglinge und Kleinkinder Aluminium auf. Impfungen haben
jedoch einen hohen gesundheitlichen Nutzen, sowohl für das Individuum als auch für die
Gesamtbevölkerung. Klinische und epidemiologische Studien zeigen zudem, dass die Aluminiumexposition durch Impfstoffe als gesundheitlich unbedenklich einzuschätzen ist.

Kürzlich kamen von den Inseln im indischen Ozean schwerwiegende Nachrichten betreffend Aluminium. Madagaskar ist in der Region der Hauptlieferant von Aluminiumtöpfen, die unter teils katastrophalen Bedingungen hergestellt wurden. Nachdem sich herausstellte, dass die Konzentration für Aluminium in den gekochten Lebensmittel auf das bis zu 4600-fache (!) des Normalen erhöht waren, wurde beispielsweise auf Mauritius und Mayotte der Verkauf verboten.

Maximaler Genuss mit Vanille-Eis

In Deutschland steht Vanilleeis auf Platz 1, wenn es darum geht sich ein erfrischendes und kühles Speiseeis zu gönnen. Und das tun wir Deutsche gerne. Immerhin haben wir im letzten Jahr 124 Kugeln Eis pro Person geschleckt.

Die Stiftung Warentest hat sich im neuen Heft (August 2019) der Qualität von Vanille-Speiseeis gewidmet, mit erstaunlichem Ergebnis. Denn viele Eissorten sind von guter Qualität. Natürlich gibt es Vanilleeis, das geschmacklich nicht überzeugt und anderes, das zwar echte Vanille zwar im Namen präsentiert, im Eis selbst aber nur in Spuren des betörenden Gewürzes. Wunderbar ist, dass gutes Eis nicht teuer sein muss. Selbst die Discounter bieten einen Vanillegehalt von 0.21 – 0.23%. Der liegt bei Aldi und Lidl sogar über dem des langjährigen Testsiegers.

Trocknen der Vanille in der Sava-Region im Nord-Osten Madagaskars. Hier liegen Schoten im Wert von weit über 100.000 Euro. Das war im Jahre 2010 noch ganz unbewacht möglich. Heute muss die Vanille bewacht werden. Foto: ptw

Dabei ist Vanille noch immer richtig teuer auf dem Weltmarkt. Als ich im Jahre 2010 erstmals in der Sava-Region im Nord-Osten Madagaskars war, kostete das Kilo Vanille – teilweise direkt von den Bauern – um die 20 Euro. Zwischenzeitlich kletterte der Preis kurzzeitig auf bis auf 700 Euro, um zuletzt wieder leicht abzufallen.

Die Vanille, die ursprünglich aus Mexiko stammt, kommt heute zu 80% von den Inseln des Indischen Ozeans. Dort fehlen dem Gewürz jedoch die spezifischen Insekten, weswegen die Pflanzen einzeln von Hand bestäubt werden müssen. Das ist mühsam und auch stachelig. Eine Arbeit, die viele Kleinbauern verrichten, bevor sie die Schoten verkaufen. In den Wochen vor der Ernte der Vanille kann es dann richtig gefährlich werden. Schützen die Bauern ihre Vanille nicht, wird sie mit Sicherheit gestohlen. Bewachen sie aber auch nachts ihre Ernte, sind Diebe gelegentlich eine Gefahr für Leib und Leben. Das führt inzwischen dazu, dass die Vanille in vielen Fällen zu früh geerntet wird. Damit sinkt ihr Ertrag, und der Preis für die gute Vanilleschoten steigt noch mehr. Die Großhändler – ich traf damals einen, der seine Ernte an einen der zwei grössten Käufer aus den USA vermittelte – haben kein Interesse an einer Verbesserung der Situation. Hauptsache ihr Gewinn stimmt. Und das tut er, egal ob durch die schiere Menge oder den hohen Preis.

Der Geschmack der Vanille ist einmalig. Noch intensiver ist der Duft von Vanille, wenn er in Zeiten der Ernte und Fermentierung über einer ganzen Stadt wie Sambava liegt: Ein unvorstellbarer Rausch der Sinne. Beim Schlecken des Vanilleeis werden meine Sinne immer wieder an dieses unvergessene Erlebnis erinnert – und leider auch an die negativen Folgen, die dieser Juwel unter den Gewürzen auslöst.

👓 plupp 01: Masern

 

Masernerkrankungen seit Januar 2018 bis heute in Deutschland 1…………………………… 675
Masernerkrankungen seit Januar 2018 bis heute in der Ukraine 2 …………………………….. 67.000
Masernerkrankungen seit Januar 2018 bis heute in Madagaskar 3 ……………………………. 117.075
Sterblichkeit der Masern in Deutschland, auf 1000 Erkrankte …………………………………. 1
Sterblichkeit der Masern in der Ukraine, auf 1000 Erkrankte…………………………………….. 2
Sterblichkeit der Masern in Madagaskar auf 1000 Erkrankte 4……………………………………. 10
Impfquote für Masern in Deutschland, erste Impfung in Prozent (2016) ……………………. 97
Impfquote Masern in der Ukraine, erste Impfung in Prozent  (2017)………………………….. 86
Impfquote Masern in Madagaskar, erste Impfung in Prozent (2017)…………………………… 58
Kosten Masernimpfstoff (nur als MMR) in Deutschland, in Euro 5 ……………………………. 51
Kosten Masernimpfstoff in der Ukraine ……………………………………………………………
Kosten Masernimpfstoff  in Madagaskar, in Euro 6 ………………………………………………. 13
Pro-Kopf-Einkommen in Deutschland 2017, in USD ………………………………………… 44550
Pro-Kopf-Einkommen in der Ukraine 2017, in USD…………………………………………… 2583
Pro-Kopf-Einkommen in Madagaskar 2017, in USD………………………………………….. 448

 

Anmerkungen

  1.  Stand: 07. März. 2019
  2.  Zahlen beziehen sich auf Januar 2018 bis inklusive Januar 2019
  3. Zahlen der Gesundheitsbehörden in Madagaskar, Stand 20.03.2019
  4. Die Angaben schwanken zwischen 10 und 15/ 1000 Masern-erkrankte.
  5. in Deutschland momentan nur Kombinationsimpfstoff Masern-Mumps-Röteln (MMR) verfügbar: 51,30 €. Masern-Impfstoff Mérieux außer Handel: 55 €
  6. Die erste Masernimpfung ist kostenlos, die zweite geht zu Lasten des Impflings