Schlagwort: Meningitis

Lyme-Borreliose

Die Zecken sind wieder unterwegs, auch wenn der kühle April und Mai ihre Aktivität noch etwas ausbremst. Besonders bedeutsam in unseren Breiten ist der gemeine Holzbock, wie die wichtigste Zecke Ixodes ricisnus im Deutschen genannt wird. Bei zweistelligen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit ist sie von März bis Oktober unterwegs. Die Häufigkeit der Borreliose (Diagnoseprävalenz) liegt laut einer Analyse des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) für das Jahr 2019 bei 429 je 100.000 Versicherte deutschlandweit. Regional sind erhebliche Unterschiede zu beobachten.

Der Zecke, dem gemeinen Holzbock, begegnen wir an vielen Orten: Im Garten unseres Hauses oder unserer Wohnanlage, in Stadtparks oder im Wald (Laub- und Mischwald) in Lagen unter 1500 Metern Höhe. In hohen Gräsern oder Büschen wartet die Zecke tagelang, bis ein Warmblüter – ob Vogel, Hund oder Mensch – vorbeikommt, um diesen zu befallen. Der Holzbock hat  keine Augen, sondern erkennt sein Objekt über Tasthaare und seine anderen Sinnesorgane am Atem, Geruch und der Körperwärme. Zecken warten also gezielt auf unser Kommen.

Amèdèe Borrel  Foto:https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b32000224/f67.item

Der Zeckenstich selbst ist kaum zu spüren. Nach dem Stich holt sich die Zecke ihre Blutmahlzeit. Dabei kann es sein, dass sie Erreger, die beispielsweise in ihrem Verdauungstrakt leben übertragen werden. Die bei weitem häufigste Übertragung betrifft die Borrelien. Das ist eine große Gruppe von schraubenförmigen Bakterien (Spirochäten), die nach dem Forscher Amédée Borrel benannt sind, der in Strasbourg gearbeitet hat. In Deutschland ist bislang Borrelia burgdorferi der häufigste Erreger der Borreliose. Zu einer Übertragung der Borrelien kommt es bei etwa einem von tausend Zeckenstichen. Der zweitwichtigste Zecken-Erreger bei uns ist ein Virus: Das Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis-Virus, kurz: FSME-Virus. Weitere Erreger spielen im Ländle eine untergeordnete Rolle.

Erythema migrans Foto: ptw

Die Borreliose tritt Tage bis wenige Wochen nach dem Zeckenstich als Hautveränderung an der Stichstelle auf. Dabei kommt es meistens zur sog. Wanderröte, dem Erythema migrans. Diese Ausschlag zeigt sich als Rötung mit kleinen Pünktchen (Maculae) um die Bissstelle, wobei die Größe über Tage zunimmt (immer mehr als 1 cm Durchmesser) und das Zentrum des Ausschlags blasser wird. Da die Rötung gelegentlich dezent ist oder sich an versteckten Stellen wir der Achsel befindet, wird das Erythema migrans oft kaum erkannt. Umso mehr, als der Ausschlag weder juckt noch schmerzt.

In diesem Stadium ist die Borreliose nahezu zu 100% und sehr einfach behandelbar. Hierfür stehen verschiedene Antibiotika bereit, die der Arzt je nach Alter des Patienten einsetzt.

Selten kann es statt der Wanderröte zu einem Borrelienlymphozytom kommen. Dabei treten schmerzlose Schwellungen meist an Ohr, der Brustwarze oder dem Hodensack auf. Diese werden oft erst nach Monaten erkannt.

Nach einer unerkannten Wanderröte oder einem unerkannten Borrelienlymphozytom kann es nach Wochen und Monaten zu einer Neuroborreliose kommen – die Krankheit hat dann das zentrale Nervensystem erreicht. Diese kann sich – abhängig vom Alter des Patienten – als Hirnhautentzündung (lymphozytäre Meningitis) oder Gesichtslähmung (Facialisparese) zeigen. Beide Komplikationen kommen regelmäßig bei Kindern und Jugendlichen vor.

Noch später, teilweise nach Jahren, kann eine Lyme-Arthritis auftreten. Diese Entzündung von Gelenken tritt bei Kindern häufig einseitig am Kniegelenk auf und ist sehr schmerzhaft. Auch eine Entzündung am Herzen, Lyme-Karditis, ist möglich. Lyme ist übrigens ein Städtchen unweit von Boston mit etwas mehr als 2000 Einwohnern. Dort wurde der Zusammenhang zwischen der Gelenkentzündung und den Borrelien erstmals erkannt. Noch heute wird aus diesem Grund die Borreliose in den USA Lyme Disease (in Englisch) genannt.

Um eben diese schweren Verläufe am Gehirn (Neuroborreliose), Gelenk (Lyme-Arthritis) und an den Gelenken (Lyme-Arthritis) zu verhindern, ist die Vorbeugung (Prophylaxe) so wichtig:

Vermeidung der Borreliose

Bei ausgedehnten Spaziergängen in der Natur:

  • eher helle Kleidung tragen (damit laufende Zecken bessererkannt werden können)
  • lockere, langärmelige Kleidung
  • Hosenbeine in die Socken stecken
  • ggf. Anwendung von DEET, Permethrin oder Icaridin (z.B. Autan© Insektenschutz-Spray Protection Plus Zeckenschutz)

Vorbeugende Anwendung von Antibiotika ist übertrieben und nicht angebracht. Auch das Meiden der Natur aus Angst vor Zecken ist nicht sinnvoll und beraubt Kinder wichtiger Erfahrungen in ihrer Umgebung.

Impfung?

Eine Impfung gegen die Borreliose gibt es bis heute nicht, wohl aber sicher wirksame Antibiotika. Bei der FSME ist es umgekehrt: Hier gibt es kaum Behandlungsmöglichkeiten, aber eine gut wirksame Impfung

Frühzeitige Erkennung der Borreliose

Während der abendlichen Untersuchung auf Zecken am Körper, sollte auch auf die meist kreisrunden und zentral blassen Ausschläge der Wanderröte geachtet werden. Zur Übertragung der Borreliose muss das Blutsaugen der Zecke länger als 12 Stunden dauern. Eine FSME kann hingegen sofort bei Stich übertragen werden.

Entfernung der Zecke

Hierzu empfiehlt sich die Entfernung der Zecke direkt auf Hautniveau, z.B. mit einer Zeckenzange oder auch einer Pinzette. Alternativ gibt es die Streichelmethode, die ohne jegliches Werkzeug überall anwendbar ist. Geübte können damit Zecken in 90% aus ihrer Bisshaltung zu 90% „herauskitzeln“.

Kinderkrankheit: Mumps

Eine der klassischen Kinderkrankheiten ist Mumps, früher auch gerne Ziegenpeter genannt. Typisch für eine Kinderkrankheit ist, dass nach der Erkrankung eine lebenslanger Schutz (Immunität) bestehen bleibt.

Häufigkeit des Mumps im Jahre 2017 nach Datenlage des RKI. Foto: statista.de

Auslöser des Mumps ist das Mumpsvirus, das nur beim Menschen vorkommt. Übertragen wird es als Tröpfcheninfektion, durch direkten körperlichen Kontakt, aber auch indirekt über Gegenstände wie Löffel, die mit dem Virus benetzt sind. Mumpserkrankungen traten früher im Winter oder Frühjahr häufiger auf, kommen inzwischen aber ganzjährig vor. Bei noch nicht ausreichender Durchimpfung tritt Mumps weiterhin in Deutschland mit mehreren hundert Erkrankungen pro Jahr auf. In Baden-Württemberg waren bis Anfang Juli 30 Neuerkrankungen gemeldet worden. Damit bleibt die Häufigkeit aufs Jahr gesehen mit knapp 60 Fällen gleich hoch wie in den Jahren zuvor.

Mumps tritt nach einer Inkubationszeit von 2 1/2 Wochen (meist 16-18 Tage) auf und betrifft den ganzen Körper. Auffälligstes Symptom ist die Schwellung der Ohrspeicheldrüse (Parotitis), die in 70-80% beidseitig auftritt und 3 bis 8 Tage lang andauert. Bei jedem zehnten Kind sind auch andere Speicheldrüsen betroffen. Diese typischen Symptome betreffen die älteren Kinder. Viele jüngeren Kinder machen die Infektion hingegen durch, ohne dass Krankheitszeichen auftreten: „inapparent“ nennen das die Mediziner. Das Robert-Koch-Institut geht davon aus, dass mindestens 30-40% aller Infektionen unbemerkt verlaufen.

Wenn jemand an Mumps erkrankt, ist er etwa 2 Tage vor Ausbruch der Erkrankung – also vor Auftreten der Schwellung vor dem Ohr – ansteckend. Die Ansteckung bleibt bis 4 Tage nach Symptombeginn hoch. Insgesamt kann die Ansteckung bereits 7 Tage vor Auftreten der Drüsenschwellung bis 9 Tage danach, also über 14 Tage betragen. Klar ist auch, dass nur die Impfung schützt. Tritt in einer Schulklasse also Mumps auf, haben sich bereits mehrere Kinder angesteckt bevor klar ist, dass es sich um Mumps handelt.

Viele Komplikationen sind beim Mumps möglich. Weitaus am häufigsten sind Komplikationen des zentralen Nervensystems. So kommt es bei bis zu 10% der Erkrankten zu einer aseptischen Meningitis, also einer nicht eitrigen Hirnhautentzündung. Diese heilt praktisch immer folgenlos aus. Die viel seltenere Hirnentzündung (Enzephalitis) kann in 1.5% auch tödlich verlaufen. Recht typisch ist auch eine Taubheit, die bei 4% der Erkrankten vorkommt. In den meisten Fällen ist sie nur vorübergehend. Auf 20.000 Mumpserkrankungen kommt es in 1 Fall zu einer bleibenden einseitigen Taubheit. In aller Regel zeigen sich alle diese Komplikationen 4-5 Tage nach Auftreten der Ohrdrüsenschwellung.

Von vielen Menschen sehr gefürchtet ist die Entzündung des Hodens (Orchitis). Diese tritt immerhin in 15-30% mit Mumps beim erwachsenen Mann auf und ist bei jedem vierten beidseitig. Die Zeugungsfähigkeit ist meist nicht bedroht, wenngleich die Spermien bei 25% der Betroffenen in der Folge auffällig bleiben. Die erwachsene Frau ist in 30% von einer Entzündung der Brustdrüse betroffen und in 5% von einer Entzündung der Eierstöcke.

Die Diagnose „Mumps“ ist bei typischem Verlauf einfach zu stellen. Manchmal kann die Erkrankung zunächst symptomfrei verlaufen und sich nur über eine der Komplikationen äußern. In diesen Fällen gibt es Laboruntersuchungen, um Mumps als Ursache zu bestätigen.

Eine spezifische Therapie gegen Mumps gibt es nicht. Bereits erkrankte Kinder und Jugendliche können mit Schmerzmitteln unterstützt werden.

Wegen der fehlenden Therapie bleibt die Impfung die einzige Option, diese Kinderkrankheit zu verhindern. Die Impfung erfolgt – meist gemeinsam mit der Impfung gegen Masern und Röteln als MMR – in zwei Schritten: Die erste Impfung wird momentan im Alter von 11-14 Monaten empfohlen, die zweite mit 15-23 Monaten bei einem Mindestabstand von 2 Monaten zwischen den beiden Injektionen.

Was geht rum? 23. Juni 2018

Viele Pflanzen haben in den letzten Wochen ihre Blütenpracht fallen lassen und präsentieren sich jetzt oder in Kürze mit ihren Früchten. Diese sind häufig sehr bunt und einladend. Aus diesem Grunde haben wir das Thema Giftpflanzen als Schwerpunkt der nächsten Wochen. Trotz aller digitaler Reize, treibt die Neugier Kinder immer noch, auch die Angebote der Natur zu kosten. Nicht alle sind ungefährlich, aber viel schon.

Das heiße Wetter führt zu mehr Früchten, im Gegenzug lassen die Belastungen mit den Gräserpollen nach. Außer in den Bergen. Dort hat der Flug der Gräserpollen seinen Höhepunkt erreicht.

Infektionen gibt es weiterhin wenig. Darunter sind wie in der letzten Woche Erkrankungen an Herpangina und Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis). Auffallend waren einzelne sehr schwere Asthmaanfälle, die durch den Gräserpollenflug nicht erklärbar waren.

Der Einstand der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Mexiko war nicht berauschend. Manuel Neuer war war ein Rückhalt, der heute beim Spiel gegen Schweden unverzichtbar sein wird. Einen solchen Rückhalt brauchen auch Kinder, falls die Familie das Fußball-Spiel heute mit Grillen verbindet. Dabei sollte immer ein Auge auch bei den Kindern sein, damit es nicht im spannendsten Moment zu ungewollten Verbrennungen kommt. Kinder sind neugierig. Wann können sie das besser ausleben, als in solchen unbeobachteten  Momenten?

Was geht in der Welt rum? Für alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die exotische Länder besuchen wollen: auf den Fidschi-Inseln sind in diesem Jahr 60 Erkrankungen an Meniningokokken-Meningitis Typ C aufgetreten. Drei Personen sind daran verstorben, wobei die Rate für Todesfälle bei dieser Infektion oft im Bereich von 10% – also durchaus höher – liegen kann. Mit Hilfe einer Impfung ist ein fast sicherer Schutz zu erreichen.