Schlagwort: Pollen

Was geht rum? 07. August 2021

Verhinderung von Kurzsichtigkeit: Aufenthalt im Freien günstig

Allergie Reaktion auf Nahrungsmittel: Vorsicht in Restaurants

Coronaimpfungen für Ab-12-Jährige?  

Pollenpause

In dieser Woche erkrankte weltweit der 200 Millionste Mensch an Corona. Somit sind an dieser Krankheit mehr Menschen erkrankt als zusammengenommen in Spanien, Frankreich und Deutschland leben.

Bei Kindern im Grundschulalter tritt immer häufiger Kurzsichtigkeit auf. Ursache hierfür ist, dass sie erstmals in diesem Alter über längere Zeit auf kurze Abstände – meist auf ihr Schulheft – fokussieren müssen. Dadurch wird das Längenwachstum des Auges stimuliert. Wenn schließlich die Linse die verlängerte Brennweite nicht mehr ausgleichen kann, benötigen Kinder wegen Kurzsichtigkeit (Myopie) eine Brille. Dieses Phänomen tritt besonders stark unter chinesischen Kindern auf.  Diese Phänomen scheint sich durch die Pandemie enorm verstärkt zu haben. Eine Studie aus dem dichtbesiedelten Hongkong beschreibt die aktuellen Daten: Die Zeit im Freien ging von 1,27 auf 0,41 Stunden am Tag zurück, die Zeit vor dem Bildschirm  nahm 2,45 auf 6,89 Stunden am Tag massiv zu. Die Häufigkeiten für die Kurzsichtigkeit sind massiv: Vor der Pandemie nahm die Zahl der kurzsichtigen Kinder pro Jahr um 13% zu, nunmehr sind es für die 6-, 7- und 8-jährigen Kinder 28 %, 27 % und 26 %. Man vermutet, dass sich die Zahl der kurzsichtigen Kinder in den kommenden Jahren verdoppeln wird. Glücklicherweise sind die Lebensbedingungen für Kinder in Deutschland andere. Die Zeit, die sie im Freien verbringen ist deutlich höher. Somit besteht ein geringeres Risiko für Kurzsichtigkeit.

In die USA können Europäer im Moment nicht reisen. Das schränkt die Bedeutung einer Studie ein, die kürzlich im Journal of Allergy and Clinical ImmunologyIn Practice erschienen ist. Darin geht es um allergische Reaktionen beim Essen in Restaurants in den USA. Es zeigte sich, dass 13% aller allergischen Notfälle mit Nahrungsmittel bei Kindern unter 18 Jahren in Restaurants auftreten. Somit bleibt mit 51% das Zuhause der gefährlichste Ort. Besonders häufig traten Nahrungsmittelallergie bei Erdnüssen und Nüssen (Haselnuss u.a.) auf. Bei diesen mussten in 28% mindestens einmal Adrenalin wegen schwerer Reaktionen injiziert werden. Tragisch dabei ist, dass 53,9% der Betroffenen vorher das Personal des Restaurants über die Allergie aufgeklärt hatte. Es gibt sicher viele Unterschiede zwischen Restaurants in Europa und den USA. Dennoch lohnt es sich gerade in Urlaubszeiten für Allergiker in Restaurants Vorsicht walten zu lassen.

Tipps gegen Coronainfektionen. Foto: RKI

Thema der Woche: Die Impfungen von Kindern ab 12 Jahren. Die Politik ist mehrheitlich dafür, die STIKO sieht noch keine ausreichenden wissenschaftlichen Daten, die eine Empfehlung für die Impfung der 12-17-Jährigen rechtfertigen würde. Inzwischen hat sich die Sächsische Impfkommission (SIKO) für die Impfung der Über-12-Jährigen ausgesprochen und dafür plausible Daten vorgelegt. Ergänzend hat sich auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit einem Merkblatt zu diesem Thema eingebracht. Bei allem Durcheinander nicht vergessen: Es geht um Kinder und Jugendliche, die eineinhalb Jahre Corona-Pandemie hinter sich haben. Und auch sie haben eine Meinung, die bei der Frage – ob eine Impfung angemessen sei – an erster Stelle stehen sollte.

Die Pollen fliegen immer weniger. Momentan werden in den meisten Regionen des Landes bei den Gräserpollen kaum Mengen erreicht, die Beschwerden verursachen. Lediglich die Menge der Beifuß-Pollen liegt etwas höher. Aber gegen dies Pollen sind nur wenige Menschen allergisch.

Die Infekte bei Kindern gehen unverändert weiter. Meist nichts gravierendes, aber gerade bei den Kleinkindern – und deren Eltern – häufig Schnupfen, leichter Husten und selten Fieber.

Was geht in der Welt rum? Im Süden Brasiliens, genauer im Bundesstaat Bahia sind 58 Neu-Infektionen an Malaria aufgetreten. Diese Region gilt als malariafrei. Man geht deswegen davon aus, dass der Erreger aus dem Amazonasgebiet eingeschleppt wurde.

Wettervorhersage der nächsten Tage für Karlsruhe. Foto: meteo, SRF

Ich wünsche Ihnen, dass der Sommer im Ländle bald beginnt. Ab Mitte der kommenden Woche soll es soweit sein. Herzlichst grüßt Sie Ihr

Was geht rum? 17. Juli 2021

Erkältungsviren auf dem Vormarsch – der Beginn von den Herbst-Infektionen?

Corona-Impfpflicht in Europa

Impfpflicht in Baden-Württemberg?

Chile: Zweifel an chinesischen Impfstoffen

Im Schatten der Corona-Meldungen haben – für viele noch unbemerkt – die Erkältungsviren ihren Siegeszug angetreten. Wir haben nicht nur herbstliches Wetter im Hochsommer, auch die Infekte entsprechen dieser Großwetterlage: Klein- und Schulkinder sind seit Wochen vermehrt von Husten, Schnupfen und Fieber betroffen. Und nebenbei werden auch junge Eltern angesteckt, die über ein Jahr, durch Maske und Abstand geschützt, keinen Infekt erlebt haben. Das wird über die nächsten Wochen so weitergehen. Die große Frage wird sein: Was machen die Coronaviren im Herbst? Und kommen die Influenza-Viren wieder machtvoll zurück? Dieser Herbst wird also bunter, nicht nur in den Wäldern.

 

Corona-Impftermine im Juni/ Juli in Frankreich. Foto: Economist

Die Corona-Impfungen waren vor drei Monaten noch ein absolutes Luxus-Produkt. Inzwischen wurden sie zur Discounter-Ware. In Frankreich hat sich das von einem auf den anderen Tag geändert. Nachdem Präsident Macron eine weitgehende Impfpflicht verkündete, stieg die Zahl der Impftermine massiv an (siehe Graphik). Auch die Zahl unserer Nachbarn die sich impfen lassen wollen stieg an: Im Dezember 2020 waren es 39%, heute sind es 69% – damit aber noch deutlich weniger als in unserem Lande.

In Baden-Württemberg sind inzwischen 45,4% der Menschen vollständig geimpft. Die Impfquote ist bei Jüngeren aber deutlich niedriger. Bisher gibt es von der STIKO ja nur eine Empfehlung zur Impfung bei Menschen über 18 Jahren (Ausnahme Vorerkrankungen bei Über-12-Jährigen). Damit sind für die nächste Zeit alle Kleinkinder und Schulkinder bis 12 Jahre dem C-Virus voll ausgesetzt, auch wenn nur wenige von ihnen eine schwere Infektion erleiden werden. In einer freien Gesellschaft müssen wir die Menschen aushalten, die sich nicht impfen lassen wollen. Aber diese  Menschen müssen dann auch aushalten, wenn sie sich besonderen Schutzmaßnahmen unterwerfen müssen. Das betrifft besonders impfunwillige Lehrer und auch Gesundheitspersonal, die ein hohes Maß an Verantwortung tragen.

Dürremonitor Gesamtoden 1,8 Meter (09/2020). Foto: ufz.de

Dürremonitor Gesamtboden 1,8 Meter (07/2021) Foto: ufz.de

Pollen werden sich an diesem Wochenende selbst in Freiburg nur zögerlich in die Lüfte schwingen. Allergiker müssen erst ab Montag mit der Fortsetzung des typischen Gräserpollenflugs rechnen. Grund ist der Starkregen, der seit Wochen die Böden im Südwesten erfolgreich mit Wasser aufgefüllt hat, wie der Vergleich von September 2020 (linke Graphik) und der aktuellen Graphik vom 13. Juli 2021 (rechts) zeigt. Wir können uns also freuen. Wir müssen aber auch betrübt sein. Denn der Grund für diese Wasservorräte ist das Tief „Bernd“, das infolge des verminderten Jetstreams lange über uns verharrte: Der Klimawandel und ein bisschen auch der Zufall haben uns statt Schwimmbadtemperaturen Schwimmbäder in Orten, auf Äckern und Wiesen beschert.

Was geht in der Welt rum? In vielen Ländern der Erde gibt es ambitionierte Impfprojekte, um die Bevölkerung vor Coronainfektionen zu schützen. Ein leuchtendes Beispiel ist Chile. Doch dort kam es zuletzt zu einem erneuten rasanten Anstieg der Coronainfektionen, was Zweifel an der Wirksamkeit des verwendeten Impfstoffs CoronaVac des Herstellers Sinovac aus China aufkommen lässt. Gegenüber den Varianten ist die Wirksamkeit besonders schlecht. Sinovac rät nunmehr zu einem «Booster-Shot», also einer dritten Impfung. Chile plant diesen aber mit einem mRNA-Impfstoff (BioNTech/ Moderna) durchzuführen.

Der Regen verschwindet langsam. Vielleicht halten wir es wie die Bundeskanzlerin, die in Bezug auf ihr Leben nach der Politik sagte: „Und dann werde ich vielleicht versuchen, was zu lesen, dann werden mir die Augen zufallen, weil ich müde bin, dann werde ich ein bisschen schlafen, und dann schauen wir mal.“

Ich wünsche Ihnen und Ihren Kindern ein geruhsames Wochenende. Herzlich grüßt Sie Ihr

 

Was geht rum? 15. Mai 2021

Giftpflanzen: Das Maiglöckchen

Zecken: Übertragung von Borreliose und FSME

BioNTech/Pfizer-Impfstoff: Wie gut ist der Schutz vor Ansteckung?

Pollen und Viren (außer Corona) im Ruhemodus

Die Welt um uns herum ist jetzt saftig grün, alles sprießt, und einige Blumen wie die Tulpen sind an den meisten Orten schon verblüht. In den Wäldern zeigen sich jetzt die Maiglöckchen – filigrane weiße Glöckchen. Die echten Bärlauchanhänger können das Maiglöckchen einfach vom Bärlauch unterscheiden. Eltern sollten Kinder beim Pflücken jedoch unterstützen, damit sie auch später diese hübsche aber giftige Pflanze kennen. Weitere Informationen dazu hier.

Nicht nur im Wald, sondern eher in den Büschen an Wegesrändern und auch im eigenen Garten warten die Zecken auf Opfer. Erste Erkrankungen an FSME oder Borreliose sind bereits zu beobachten. Eltern sollten Ihre Kinder (und sich selbst) am Abend auf die Spinnentierchen hin untersuchen. Die Impfung gegen FSME macht für alle Menschen ab dem Schulalter Sinn, je nach individueller Belastung kann sie auch für Kleinkinder überlegt werden. In Baden-Württemberg ist sie ab dem ersten Geburtstag empfohlen. Zur Zeckenentfernung empfiehlt sich die sanfte Streichelmethode.

Vermutlich noch im Mai können Jugendliche ab dem 12. Geburtstag auch gegen Corona geimpft werden. Hierfür zugelassen ist der Impfstoff von BioNTech/Pfizer. Aber wie gut ist seine Schutz-Wirkung? Eine Studie im JAMA (Journal of the American Medical Association), der medizinischen Zeitschrift der amerikanischen Ärzte hat hierzu 2.776 geimpfte Mitarbeiter des St Jude Children’s Research Hospital in Memphis (Tennessee) untersucht. Gegenüber den ungeimpften Kollegen zeigte sich, dass 7 Tage nach der zweiten Impfung gerade einmal 1 asymptomatische Infektion auftrat gegenüber 10 Infektionen bei den Ungeimpften (IRR = 0,10). Trotz weiterer Überwachung konnte sieben Tage nach der zweiten Impfung keine Infektion mit Symptomen mehr aufgedeckt werden.

Todesursachen unter 10 Millionen Kindern pro Jahr Foto: Susan Waserman et al., Journal of Allergy and Clinical Immunology, 147

Wie gefährlich ist eigentlich eine Nahrungsmittelallergie? Dazu gibt es aktuelle Informationen, die ein Internationales Forscherteam um Susan Waserman aus Hamilton (Canada) durch Sichtung aktueller Veröffentlichungen zusammengetragen hat. In Bezug auf die Nahrungsmittelallergie ist das Ergebnis halbwegs beruhigend – ein Todesfall pro 10 Millionen Kinder und Jahr. Erschreckend sind die Autounfälle (633 Todesfälle), Suizide (351) und  die Todesfälle durch Waffengewalt (112).

Die Pollenbelastung ist inzwischen momentan gering. Eher kühle Temperaturen und täglicher Regen vermasseln den Pollenflug. Gut für Allergiker.

Infektionen – außer den Coronainfektionen – sind im Moment fast bedeutungslos. Das betrifft auch alle Kinderkrankheiten und selbst die Windpocken, die sich eigentlich leicht („Wind“…) ausbreiten können. Lediglich Hantavirus-Infektionen sind sehr häufig, betreffen aber nur selten Kinder und Jugendliche. Also weiterhin: Vorsicht beim Aufräumen von Scheunen und anderen staubigen Orten, an denen sich Mäuse aufgehalten haben könnten.

h  Seychellen Foto: pixabay, Walkerssk

Was geht in der Welt rum? Natürlich das Coronavirus. Und es erreicht auch unsere Sehnsuchtsorte wie die Seychellen, bei denen wir Deutsche an türkisfarbenes Meer oder exotische Drinks denken. Vor Wochen erreichten die Seychellen bei der Durchimpfung einen Spitzenplatz. Von den 100.000 Einwohnern sind über 60 Prozent geimpft, davon 57% mit dem chinesischen Sinopharm und 43% mit dem AstraZeneca-Impfstoff. Alles könnte gut sein. Nun kam es jedoch zu einer neuen Corona-Welle. Von den erkrankten Menschen waren 37% vollständig (mit 2 Dosen) geimpft. Unklar ist jedoch, welcher Impfstoff bei den Neuerkrankten verwandt wurde. Verglichen mit den Erfolgsmeldungen aus Israel sind die Zahlen erschreckend: Bezogen auf 1 Million Menschen erkrankten auf den Seychellen 2613 neu an Corona, in Israel jedoch nur 5 nach Angaben von Our World in Data.
Noch schnell ein tweet von @kono_HG
Kommunikation unter Eltern ist toll. Papa an ner unübersichtlichen Kreuzung:
„Kommt von rechts ein Auto?“
Mama: „Nein…“
Papa fährt an
Mama: „Aber ein Laster.“
An dem Tag habe ich viele neue Wörter gelernt. Und ich weiß seitdem, was eine Vollbremsung ist.
Bleiben Sie humorvoll und genießen Sie das Wochenende, herzlich grüßt Sie Ihr

Was geht rum? 13. März 2021

Zecke (1): FSME bei Kindern in Baden-Württemberg

Zecke (2): Borreliose – häufiger, aber nicht immer harmloser

COVID-19-Verläufe bei Kindern in Kliniken

Infektionen: Keuchhusten und Rotaviren selten. Läusemittel als Ladenhüter

Diese Frühjahr verläuft anders als viele in den Jahren zuvor. Auf der einen Seite die Verbreitung des Coronavirus, auf der anderen der Rückgang der Infekte. Krupphusten oder Bronchitis sind bei Kindern deutlich seltener als zuvor. Läuse besiedeln die Köpfe der Menschen im Ländle weniger denn je, aber die Zecken legen massiv los. Wir müssen uns umstellen. Nichts ist wie es früher war.

Inzidenz der FSME in Süddeutschland.  Quelle: RKI (modifiziert)

Zecke (1) Die Zeckensaison rückt näher. Es lohnt sich also ein Blick auf die aktuellen Daten, die das RKI kürzlich im epidemiologischen Bulletin zur Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis (FSME) präsentierte. Dabei zeigte sich für Baden-Württemberg, dass weiterhin nur der Stadtkreis Heilbronn nicht zu den Risikogebieten gehört. Alle anderen weisen über jeweils einen 5-Jahres-Zeitraum (z.B. 2015-2019) eine Inzidenz von >1 auf 100.000 Einwohner auf. Teilweise liegen die Werte deutlich darüber, wie die Karte zeigt.

FSME-Erkrankungen pro 100.000 Einwohner in Baden-Württemberg und Bayern. Quelle: RKI (modifiziert)

Auch Kinder sind von der FSME in erheblichem Maße betroffen. Dabei fallen die häufigen Infektionen im Jahre 2020 auf – dem Rekordjahr für FSME bislang. Welche Rolle dabei der Rückzug ins Private durch die Coronapandemie spielte ist nicht geklärt.

Bisher lag der Rekord für FSME-Infektionen im Jahre 2018: 288 Fälle in Baden-Württemberg. Im Jahr drauf waren es 171, im letzten Jahr (2020) waren es dann 350 Neuerkrankungen.

Gerade die hohen Inzidenzen schon bei Kindern im Grundschulalter erschreckt. War die FSME bei Kindern früher eine Seltenheit, so ist sie inzwischen bereits bei Kleinkindern so häufig, dass 1 von 100.000 Kindern dieser Altersgruppe im letzten Jahr daran erkrankte. Eine Impfung wird also auch für Kinder immer bedeutsamer. In Baden-Württemberg wird eine solche schon ab dem ersten Geburtstag empfohlen, in der Schweiz erst ab 6 Jahren.

Zecke (2) Nicht zu vergessen die Borreliose. Während Zecken in den Risikogebieten nur zu etwa 0,1% bis 5% das FSME-Virus tragen, liegt die Rate der Zecken die die Borrelien im Gepäck haben bei 5-35%, also fast 10 Mal höher. Die Borreliose ist auch deswegen die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung in Europa. Zecken werden allgemein „im Wald“ vermutet, sind aber auch dort eher im lichten Unterholz und in höheren Gräsern bis etwa 1,5 m Höhe zu finden. Aktiv sind sie von jetzt an bis Oktober. Nur bei 0,3 bis 1,4% aller Zeckenstiche kommt es zu Krankheitssymptomen. Diese zeigen jedoch eine Zeitverzögerung. Deswegen sollte die Stichstelle der Zecke markiert und danach täglich bis zu 14 Tage kontrolliert werden. Die Borreliose tritt geschätzt bei 30-40 von 100.000 Personen pro Jahr in Deutschland auf. Dabei gibt es unterschiedliche Krankheitsbilder, die die Haut (Ery­thema migrans; Borre­lien-Lympho­zytom; ACA), das Herz, die Gelenke (chronische Lyme-Arthritis) oder das zentrale Nervensystem (Meningitis, Enze­phalo­myelitis u.a.) betreffen. Die Borreliose ist verläuft oft nicht so harmlos wie angenommen, ist aber in vielen Fällen (aus in den Spätformen) mit Antibiotika behandelbar.

Wie gut geht es Kindern, wenn sie nach einer COVID-19-Infektion aus einer Klinik in Deutschland oder Österreich entlassen werden? Zahlen von Januar 2020 bis März 2021. Quelle: DGPI

COVID-19 bei Kindern verläuft oft harmlos. Aber nicht immer, wie eine Zusammenstellung der Corona-Erkrankungen vieler Kinderkliniken in Deutschland und Österreich zeigt. Etwa 3/4 der betroffenen Kinder erholen sich komplett, ebenso haben haben aber 1/4 aller Kinder noch Restsymptome wenn sie die Klinik verlassen.

Schulen und Kindergärten sind wieder offen. Wenigstens ein bisschen. Ebenso offen ist, mit welchen Konzepten der Betrieb von Schulen und KiTas langfristig weitergehen kann. Masken, gar FFP-2 für jeden Schüler jeden Tag? Fehlanzeige. Selbsttests zweimal pro Woche im Klassenverband, um aufbrechende Cluster schnell zu erkennen? Fehlanzeige. Dann wenigstens Lüftungen, die schon vor Monaten diskutiert wurden? Zwei bis 5% aller Klassenräume sind damit ausgestattet. Also wieder eine wichtige Chance verpasst, den Kindern und Jugendlichen die Chance für ein soziales Zusammensein, Bildung und Spaß endlich zu gewähren. Wo findet sich ein Verantwortlicher mit Weitblick?

Neues vom Coronavirus? Ja. Erstens: Eine große Studie von Joshua P. Metlay und Kollegen aus Boston untersuchte 7.262 COVID-19-Infizierte und ihre 17,917 Haushalts-Angehörigen. Es zeigte sich, dass das Ansteckungsrisiko für Mitglieder des gleichen Haushalts bei 10.1% liegt. Zweitens: Eine Studie der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC um Daniel Owusu und Mitarbeiter bestätigte, dass Infizierte bei mildem und mäßigen Krankheitsverlauf nach dem 10. Tag ab Symptombeginn nicht mehr ansteckend sind.

Infektionen sind wie in den letzten Monaten selten. Das bedeutet auch, dass Apotheken weniger Erkältungsmittel verkaufen können. Allein der Pharmakonzern Bayer gibt an, dass in diesem Segment Einbußen von 20% zu verzeichnen waren. Das betrifft Präparate wie  «Grippostad», «Mucosolvan», «Wick» und «Alka-Seltzer Plus». Noch größere Verluste von fast 50% gab es für Läusemittel. Corona hat für die Gesundheit von vielen Menschen auch positive Aspekte mit sich gebracht.

Weiterhin sind Infektionen selten. Besonders erfreulich ist die geringe Zahl an Keuchhusten-Erkrankungen im Ländle: 34 Fälle seit Jahresbeginn, weniger als 10% gegenüber 2020 (383 Mitte März). Niedrig sind die Magen-Darm-Infektionen mit dem Rotavirus, das gerade „seine Saison“ hat: 66 Fälle, gegenüber 186 im letzten Jahr zu dieser Zeit.

Haselpollenblüte im Schwarzwald. Quelle: ptw

Diese Woche erreichten die Pollenflüge wieder erste Jahreshochs. Doch am Wochenende und zum Wochenbeginn wird es wohl ruhig werden. Der Regen wird’s richten.

Die Studie (in Englisch) einer COVID-19/POLLEN Studiengruppe von Anasthasios Damialis und Mitarbeiter aus München und Augsburg hat diese Woche für Aufsehen gesorgt. Die Forscher konnten nachweisen, dass parallel mit dem Pollenflug auch das Risiko steigt, an COVID-19 zu erkranken. Immerhin ist die Natur gerecht: Das Risiko steigt für alle, egal ob sie Allergiker sind oder nicht. Denn die Pollen setzen beim Menschen Verbindungen frei, die das Immunsystem hemmen. Dieser Prozess ist mengenabhängig: Ist die Pollenbelastung also hoch (z.B. > 500 Pollen/m3 Luft), steigt das Risiko für Virusinfektionen – also auch COVID-19- um bis zu 20%. Beobachtungen des Pollenflugs sind in diesem Jahr wichtiger denn je.

Was geht in der Welt rum? Natürlich vornehmlich die Coronainfektionen. Und immer wieder geht es um die Frage der Impfungen. Da gibt es Länder, in denen bislang niemand aus der breiten Bevölkerung geimpft ist wie in Madagaskar. Dort wurden nach trotz Millionenhilfen der EU seit einem Jahr 120.000 Menschen auf das Virus untersucht, wie das Ministerium für Gesundheit in Antananarivo berichtete. Bislang wurden nur 20155 Infizierte und 300 Todesfälle registriert (Stand: 10.03.2021; Johns Hopkins University). Und es gibt andere, die beim Impfen ganz vorne sind. Chile steht da zur Zeit an erster Stelle. Im Durchschnitt der vergangenen sieben Tage wurden 1,08 Dosen am Tag pro 100 Einwohnern verimpft, in Israel 1,03. Menschen sind auch sehr abhängig davon, wie fair sich Regierungen verhalten.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.

Herzlichst grüßt Sie

Ihr

 

Was geht rum? 06. März 2021

Fact Sheet: Was wissen wir inzwischen über die Coronainfektion?

Coronaimpfungen: Was können sie leisten? 

Schulöffnungen: Wie breitet sich das Coronavirus aus?

Aktuell: Pollen + Hantavirus + Zecken

Vor einem Jahr wurde es für mich plötzlich ganz hektisch. Am 11. März sollte der Kongress der amerikanischen Allergologen in Philadelphia beginnen. Zwei Tage zuvor trudelte die Absage ein. Hektisch blieb auch der Alltag für viele Menschen seither, hektisch aber auch die Versuche der Politik, die Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus umzusetzen. Dass einzelne Läden nun weiter öffnen dürfen ist verständlich. Warum aber KiTas und Schulen nicht schneller zum kontrollierten Normalbetrieb wechseln, bleibt unverständlich. Das sollte weiter die wichtigste Maßnahme sein.

Nach einem Jahr liegen bereits gute Informationen über COVID-19, die Coronainfektion, vor. Eine ganz hervorragende Publikation kommt von der European Respiratory Society (ERS), der europäischen Gesellschaft für Atemwegserkrankungen. In ihren Fact Sheet (in Deutsch) ist das aktuelle Wissen verständlich zusammengefasst. Wenn Sie andere Sprachen sprechen: Hier ist die Möglichkeit zwischen den Fact Sheets von 22 Sprachen fündig zu werden.

Impfungen gegen das SARS-CoV-2 wirken gut, das ist bekannt. Wie gut, zeigt eine Studie von Noa Dogan und KollegInnen vom Clalit Research Institute aus Israel betreffend den BioNTech/ Pfizer-Impfstoff. Dort wurde die Effektivität des Impfstoffs nach der ersten bzw. zweiten Dosis bei hast 600.000 Menschen im Rahmen der Impfkampagne überprüft. Bereits 14-20 Tage nach der ersten Dosis trat ein Schutz vor jeglicher Infektion bei 47% ein, der Schutz vor einer Klinikbehandlung lag bei 74%. Deutlich besser waren die Schutzraten dann 7 Tage nach der zweiten Impfung: Dann waren 92% vor jeglicher Infektion geschützt und das Risiko der Geimpften wegen COVID-19 stationär behandelt zu werden war um 86% verringert. Am wichtigsten ist, dass 92% aller schweren Verläufe verhindert wurden. Resultat: Ein Jahr nach Beginn der Pandemie in Deutschland haben wir schon seit 2 Monaten einen Impfstoff von höchster Qualität. Dass wir im Gerechtigkeitswahn die Verteilung der Impfung nicht zügig umsetzen können, ist eine beschämende Nebenwirkung.

Neun Corona-Cluster (A-I) in einer Schule. BLAU Index-Fälle, also die Personen, von den die Krankheit weitergegeben wurde; SCHWARZ Fälle, die die Schule betreffen. Quelle: CDC

Schulen sind wieder offen, aber nicht so richtig. Klar ist, Schulen können in der Pandemie keine infektionsfreien Räume sein. Das zeigt auch eine Studie (in Englisch) von Jeremy AW Gold und Mitarbeiter, die kürzlich von der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC veröffentlicht wurde. Sie macht insbesondere die wichtige Rolle von Lehrern bei der Verbreitung des Virus deutlich. Und weil das so ist und sich in der Schule Menschen aus Hunderten von Haushalten treffen, sind engmaschige Kontrollen wichtig. Wie das gehen könnte, zeigt das TRACE-Modell. Im Zentrum stehen hier die Schnellteste. Was ebenso wichtig ist, sind die Impfungen der Lehrer. Für Schüler unter 16 Jahren steht diese Möglichkeit bislang ja nicht zur Verfügung. Antigentests zur Eigenanwendung (kurz Selbsttests) sind eine weitere Möglichkeit, um noch schneller infektiöse Personen zu erfassen. Vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassene Tests finden Sie hier. In den kommenden Tagen sollen diese Selbsttests in Supermärkten verfügbar sein. ALDI beginnt schon heute mit dem Verkauf, der Preis soll für 5 Tests 24,99 Euro betragen (inzwischen bereits ausverkauft!; Online auch bei LILD für 21,99 Euro, momentan ebenso ausverkauft). Wie bei allen Schnelltests, ist auch dieser recht zuverlässig um Infizierte zu erkennen (gute Aussage für positive Tests – sog. Sensitivität). Die  negativen Testergebnisse (Spezifität) sind andererseits sehr ungenau.

Die Pollen von Hasel und Erle fliegen überall im Lande. Ihre Konzentration wird in den höheren Lagen eher zunehmen. Eltern allergischer Kinder sollten eine ärztlich verordnete Dauertherapie fortsetzen, auch wenn vereinzelt Schneeflocken zu sehen sind und die Symptome mal geringer ausfallen. Das Tragen von Masken ist übrigens auch zum Schutz vor Pollen sehr sinnvoll. Sowohl die FFP2-Masken wie auch die chirurgischen Masken sind hierbei wirksam. Feuchte Masken helfen hingegen nicht. Wer nießen musste, sollte seine Maske also wechseln. Damit das nicht so oft nötig wird, sind antiallergische Medikamente als Basistherapie weiterhin sinnvoll. Auch Kleinkinder können ohne Einschränkung Maske tragen, wie eine italienische Untersuchung bestätigt.

Hantavirus-Infektionen nehmen seit wenigen Wochen in Baden-Württemberg stark zu. Bislang kam es zu 81 Erkrankungen. Alleine in der letzten Woche waren es 13 – ebenso viele wie im gesamten Vorjahreszeitraum. Die Übertragung erfolgt durch Ausscheidungen (Urin, Kot, Speichel) von Rötelmäusen oder auch Maulwürfen, sei es durch Inhalation (Aerosol in staubigen Scheunen) oder seltener auch durch kleine Hautverletzungen. Es erkranken vorwiegend Männer, sehr selten auch Kinder. Sicherheitshalber sollten Kinder trotzdem nicht dabei sein, wenn Speicher oder Gartenhäuser ausgeräumt werden.

Weiterhin spielen Infektionen (außer durch SARS-VoV-2) für Kinder und jugendliche kaum eine Rolle. Ein einziger Fall von Keuchhusten in Waldshut, 50 Erkrankungen an Windpocken (etwa die Hälfte des „Üblichen“). Aber die Zecken im Ländle warten schon. Nach Aufenthalt draußen, sollten Eltern ihre Kinder am Abend auf die kleinen Spinnentiere hin untersuchen. Und sich bereits jetzt überlegen, ob sie eine Impfung ihrer Kinder (und von sich selbst?) gegen FSME möchten. Eine Impfung ist jederzeit möglich, aber halt immer am wirkungsvollsten, bevor sich die Zecken auf Tour begeben. Keine Panik wenn die erste Zecke auf der Haut Ihrer Kinder krabbeln: Wie Sie Zecken sanft entfernen können, lesen Sie hier.

Was geht in der Welt rum? Neben den verschiedenen regionalen Ausbrüchen des Dengue-Fiebers fällt diese Woche eine Nachricht besonders auf: Salvador ist malaria-frei. Vor zwei Jahren konnten Algerien und Argentinien dies ebenso vermelden, wie 2015 das Traumziel deutscher Touristen, die Malediven. Eine kleine Freude, auch wenn unsere Reiseziele erstmals nahe an unserer Haustüre bleiben werden.

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende. Herzlich grüßt Sie Ihr

Kreuzreaktionen bei Nahrungsmittelallergien

Bald blühen die Birken. Das wäre nicht besonders spektakulär, wenn deren Pollen nicht so herrlich weit fliegen und tief in die Atemwege von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen eindringen würden. Das mag so manches Immunsystem überhaupt nicht und reagiert allergisch.

Oft bleibt es aber nicht beim „Heuschnupfen“, der eigentlich ein allergischer Schnupfen ist und bei den Birken ohne Heu auskommt –  manchmal kommt auch Asthma bronchiale hinzu. Das betrifft zum Glück eher Schulkinder und Jugendliche, so dass die Kleinsten im Frühjahr meist ungestört rumtollen können.

Wer von der Allergie gegen die Frühblüher wie Birke oder Hasel oder auch Erle betroffen wird hat ein großes Risiko auch eine Nahrungsmittelallergie zu bekommen. Weil das Allergen der Pollen so ähnlich aufgebaut ist, reagieren viele Pollen-Allergiker auch auf einige Nahrungsmittel wie Äpfel (Kernobst) oder Haselnüsse.

Und dann wird’s langsam kompliziert. Denn es gibt auch Kreuz-Reaktionen von einem Nahrungsmittel zum anderen. Das ist vielen Eltern allergischer Kinder bekannt. Wo aber welches Risiko vorliegt ist eher weniger bekannt. Deswegen wollen wir hier eine Übersicht vorstellen, die kürzlich von ausgewiesenen Experten aus New York und Genf veröffentlicht wurde.

Nahrungsmittelallergien und ihre Kreuzallergene (siehe Text). Quelle: JACI-inpractice Amanda Cox et al, 2021

Die Tabelle zeigt auf der linken Seite die „primäre“ Nahrungsallergie, die ein Kind oder einen jugendlichen betrifft. In der mittleren Spalte sind dass die kreuzreaktiven Nahrungsmittel abgebildet, wogegen eine weitere Allergie sich entwickeln könnte. Das Risiko hierfür zeigt die rechte Spalte.

Grundsätzlich ist es gut, um diese Kreuzallergien zu wissen. Es besteht aber für Eltern in aller Regel kein Grund, mögliche Kreuzallergene bei den Kindern von vorneherein zu vermeiden. Solche Maßnahmen könnten sich im Einzelfall auch ungünstig auswirken. Die Tabelle gibt eine gute Orientierung über die klinisch bedeutsamen Kreuzallergien von Nahrungsmitteln. Gute Therapievorschläge geben jedoch nur allergologisch versierte Kinder- und JugendärztInnen.

Was geht rum? 23. Januar 2021

Studie aus GB: Kinder übertragen neue Virusmutanten nur halb so oft

Nein, es ist mehr als eine Grippe: COVID-19

Doppelbelastung für Familien: Homeoffice + Homeschooling

FFP2-Masken: Teuer, aber Wiederverwendung möglich

Die Pollen fliegen wieder

Für Sie als Eltern sind Schulen und Kindergärten das zentrale Thema in der Pandemie. Bleiben sie geschlossen? Sind Kinder „Pandemietreiber“? Menschen in politischen Ämtern sprechen sich fast einhellig dafür aus, dass Schule und KiTas als letztes geschlossen werden sollten. Auch die neuen Virusmutanten stellen wohl kein spezielles Risiko dar: Die New York Times (in Englisch) zitiert Studien aus Großbritannien mit 20.000 Teilnehmern ,darunter 3000 Kinder unter 10 Jahren, wonach die Empfänglichkeit für die neuen Varianten des SARS-CoV-2 (z.B. B1.1.7) bei Kindern nur halb so groß sei wie bei den Erwachsenen. Trotz allem liegt das Risiko sich anzustecken aber höher. Nur eben klar weniger als bei Jugendlichen (10-19 Jahre) oder gar jungen Erwachsenen (20-29 Jahre)

Influenza und COVID-19. Daten von stationär behandelten Kindern in Frankreich. A Behandlung auf Intensivstation B Todesfälle. Quelle: Lancet, Lionel Pieroth et al. 2021

Nein, es ist mehr als eine Grippe: COVID-19. Das zeigt die Studie einer Arbeitsgruppe um Prof. Lionel Piroth aus Dijon in Frankreich, die gerade in Lancet erschienen ist. Sie vergleicht die Zahl der Kinder, die wegen Influenza (rot) bzw. COVID-19 (blau) auf Intensivstation (A) behandelt werden mussten sowie die Sterblichkeit in der Klinik bezogen auf diese beiden Erkrankungen (B).

Den Familien wird enorm viel abverlangt. Wie selbstverständlich wird sowohl Homeschooling wie das Homeoffice als selbstverständlich angesehen. Ohne dass die Wohnung von Familien mitgewachsen wäre oder Schallschutzmaßnahmen ein ruhiges Arbeiten für Kinder und ihre Eltern ermöglichen würden. Viele der an sich sinnvollen Maßnahmen werden ganz besonders von Frauen abverlangt. Das Risiko für Überforderung („burnout“) steigt. Das gilt besonders für Alleinerziehende. Auf der anderen Seite mangelt es schon jetzt nicht an Regeln, sondern an deren Einhaltung und Kontrolle bei denen, die wenig von der Pandemie betroffen sind: Maskenpflicht in den Städten, Hygieneregeln in den Firmen (nicht auf dem Papier !) oder die vielen kleinen Partys in unseren Wohnvierteln.

0,07 Prozent

oder auch 0,7 Promille: So viele Menschen in Baden-Württemberg sind stand 20. Januar 2021 vollständig, also zweimal im Mindestabstand von 3 Wochen, gegen das Coronavirus geimpft.

 

Über die letzten Monate ist die Bedeutung der Masken gestiegen. Studien haben jedoch auch gezeigt, dass einfache Stoffmasken bei Weitem nicht so gut sind wirkungsvoll sind wie etwa die chirurgischen Masken oder FFP2-Masken. Letztere sind im übrigen nicht nur zum Schutz der Umgebung sondern auch zum Schutz des Trägers sehr wirkungsvoll. Leider sind sie ziemlich teuer. In der Regel kann man sie online billiger erwerben. Dabei reichen die Kosten von etwa 1,50 € bis 2,50 €. Beim Kauf ist auf vertrauensvolle Seiten (Online-Apotheken oder bekannten Online-Händler) zu achten. In Europa zertifizierte Masken tragen das Siegel  „EN 149:2001 + A1:2009“. Vergleichbare Qualitäten haben auch die N95 (amerikanischer Standard) oder KN95 (chinesische Produkte).

Obwohl die FFP2-Masken als Einmal-Produkte ausgelegt sind kann man sie unter bestimmten Bedingungen wieder verwenden. Dazu gibt es eine Anleitung der Fachhochschule Münster, die klar und einfach erklärt, unter welchen Bedingungen eine FFP2-Maske wiederverwendet werden kann. Prädikat: Sollten Sie unbedingt lesen.

Haselnussblüten. Ein erstes Zeichen für das Erwachen der Natur im Frühjahr Quelle: pixabay, NickyPe

Es gibt schon Pollenflug, obwohl das Ländle unter einer Schneedecke liegt. Am Oberrhein sind die erste Pollen von Erlen in der Luft. Keine Sorge für Allergiker. Noch sind es zu wenige Pollen, um spürbare allergische Symptome auszulösen.

Was geht in der Welt rum? In den Tropen, die momentan wieder so weit weg scheinen wir vor 100 Jahren, gibt es neben der Coronainfektion viele weitere bedeutsame Infektionen. Allen voran, was die Häufigkeit betrifft, spielt das Dengue-Fieber eine wichtige Rolle, gerade für Kinder. So traten in Peru 55.665 Erkrankungen auf, an denen 28 Menschen verstarben. In dieser Region ist diese Erkrankung erst seit den 1980ger Jahren bekannt. Zuvor war vornehmlich der asiatische Raum betroffen. Eine Impfung ist bis heute nicht verfügbar. So bleibt der wichtigste Schutz, sich die tagaktiven Mücken mit Insektenschutzmitteln vom Leib zu halten.

ich wünsche Ihnen viel Kraft, die enormen Belastungen für Familien zu tragen und zu ertragen. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

 

Was geht rum? 25. Juli 2020

Die Ferien beginnen diese Woche. Aber ohne Jubel. Durch die Pandemie haben Schülerinnen und Schüler schmerzhaft erfahren, dass zuhause bleiben und chillen nicht alles ist. Auch die Aussicht auf das neue Schuljahr ist getrübt.

Noch immer läuft die nachgeholte Infektwelle. Die Viren, die sich im Lockdown nicht ausleben, konnten haben nun die Kindergärten und Schulen erfasst. Schnupfen allüberall. Und Sorgen bei Eltern und Lehrern. Könnte unter den meist leicht kranken Kindern auch eines mit einer Corona-Infektion sein? Schnupfen ist nicht unbedingt ein typisches COVID-19-Symptom. Aber es kommt bei dieser Krankheit durchaus vor. Das macht es so schwierig: Man sucht Sicherheit und findet keine. Corona hat uns weiterhin im Griff, auch wenn momentan nur wenige im Ländle daran erkranken.

Viren, allüberall. Quelle: pixabay, Gerd Altmann (mod.)

In Friedrichshafen zeigt sich das beispielhaft. Dort steckte ein Reiserückkehrer aus Serbien, der die Quarantäne nicht einhielt zwei Menschen an. Auch die Tochter eines der beiden Infizierten hielt sich nicht an die Quarantäne und steckte auf einer Party viele Schüler an. Diese haben das Corona-Virus in 6 Schulen getragen. Inzwischen sind weit über 200 Kontaktpersonen ermittelt worden.

Ein Problem bei der Gesundheitsvorsorge: Wir können Viren mit dem Auge nicht sehen. So sehen wir auch nicht das FSME-Virus. Aber, wir können die Zecke sehen und fühlen. Und wir können sie auf der Haut unserer Kinder suchen. Das sollten wir auch. Denn in diesem Jahr schnellen die Erkrankungszahlen mit dem Virus massiv nach oben. Das gilt für unser Ländle wie für die Schweiz (siehe weiter unten). In Baden-Württemberg sind seit Januar 170 Erkrankungen an FSME neu gemeldet worden (in 2019 zur gleichen Zeit 102). Allein in der letzten Woche kamen 28 hinzu. Schwerpunkte sind der Ortenaukreis, der Kreis Rottweil und der Zollern-Alb-Kreis.

Biene im verblühenden Lavendel. Quelle: ptw

Ebenfalls kaum sichtbar sind die Pollen. Aber es fliegen noch genügende. Im Rheintal sind die Gräserpollen weiter am schwinden, die Spitzwegerich-Pollen breiten sich mehr aus.In besonders warmen Regionen blüht bereits der erste Beifuß.

Was geht in der Welt rum? Die Zecke ist grenzenlos. Zumindest in Baden-Württemberg. Bei unserem südlichen Nachbar sind mit bislang 249 mehr als doppelt so viele Erkrankungen gemeldet als im Vorjahr. Weitere Informationen über die FSME in der Schweiz gibt das Bundesamt für Gesundheit. Durchaus wichtig auch für Tagesausflügler in die Alpen.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie einen guten Start in die Ferien,

Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

Was geht rum? 02. Mai 2020

Viel Unmut äußert sich nach dem wochenlangem Shutdown. Aber kaum von Familien. Dabei werden sie den Maßnahmen in der Coronakrise besonders stark getroffen. Je kleiner die Wohnung und/oder der Garten, umso schlimmer. Aber die Schließung der Kindergärten und Schulen hat auch eine gute Seite: Kinder haben kaum Möglichkeiten, sich anzustecken. Es gibt bisher zwar keine Studien hierzu, aber so gesund dürften Kleinkinder in den letzten Jahren wohl nie gewesen sein. Leider können sie und ihre Eltern das nur begrenzt genießen.

Kindergarten – ein Bild aus glücklichen Tagen Quelle: pixabay, tolmacho

Im praxisblättle haben wir schon manchmal angeregt, bei der Öffnung von Einrichtungen mehr an die Kinder zu denken und weniger ans Shoppen. Es ist schon lange bekannt, dass Kinder seltener und schwächer an COVID-19 erkranken. Das zeigt auch die neueste Studie des Centers for Disease Control (CDC, in Englisch), die sich mit den aktuellen Daten bei Kindern in den USA befasst  Und obwohl sie eher selten von COVID-19 betroffen sind, leiden sie wohl am meisten unter der Kontaktsperre, die ihnen verbietet, mit anderen Kindern zu spielen und das soziale Leben zu üben.

Aus der Schweiz hat sich Prof. Dr. Christian Berger vom Kinderspital Zürich in der NZZ (Neue Zürcher Zeitung) zum diesem Thema geäußert. „Bei uns (Anm in der Schweiz) sind 0,4 Prozent aller bestätigten Fälle Kinder unter 10 Jahren und 2,7 Prozent Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren“. In den allermeisten Fällen seien die bisher 114 an COVID-19 erkrankten Schweizer Kinder von Erwachsenen angesteckt worden. „Wir haben keine große Erfahrung damit, wie das Virus unter Kindern zirkuliert.“ Vieles spricht dafür, dass unter kontrollierten Bedingungen (Kleingruppen mit einem Drittel der Klassengröße?), KiTas und Grundschulen vermutlich geöffnet werden könnten. Das RKI und die WHO vertreten jedoch andere Positionen.

Noch nie haben Wissenschaftler so eifrig in der öffentlichen Diskussion mitgesprochen. Und dabei vertreten sie oft gegensätzliche Positionen. Viele Menschen verstehen jedoch nicht, dass auch Wissenschaft irren kann. Aber, Forscher beobachten genau und lernen aus Fehlern, die nachweisbar sind. So kontrollieren sie sich gegenseitig. Erfreulich, dass auch viele Politiker in der Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern nachdenklicher werden. Oft gilt in diesen Tagen: Argument sticht Parteimeinung.

Gräserpollenflug. Die graue Fläche gibt die Stärke des Pollenflugs über die letzten 10 Jahre wieder. Die Säulen (links unten im Bild) zeigen die aktuellen Daten von 2020, jeweils bezogen auf Münsterlingen (Bodensee, Schweiz) Quelle: www.pollenundallergie.ch

Seit zwei Monaten ist alles anders. Auch bei den Pollen. Bisher war der April die Zeit, in der die Birkenpollen flogen. In diesem Jahr sind diese schon längst auf dem Rückzug und haben den Gräserpollen den ersten Platz überlassen. Am Bodensee und Oberrhein sind sogar schon die Pollen des Wegerich in der Luft. Diese suchten uns bisher erst Ende Juli heim. Eltern allergischer Kinder müssen also den Pollenflugkalender in diesem Jahr umschreiben. Übrigens, ein möglicher und schöner Nebeneffekt vom Mund-Nasen-Schutz („Maske“) könnte sein, dass er viele Pollen abhält und damit Kinder und Jugendlichen vor dem Heuschnupfen – zumindest etwas – schützt.

Unter den wenigen Infektionen die rumgehen, sind natürlich auch Kinderkrankheiten. Vor einer Woche hatten wir berichtet, dass die Windpocken auf 25% des Normalniveaus zurückgegangen sind. Beim Keuchhusten hingegen liegen die Erkrankungszahlen noch auf dem Niveau des letzten Jahres. In der letzten Woche kamen 25 neue hinzu. Ganz anders bei den Masern: Seit den Kontaktbeschränkungen Mitte März ist bis heute nur eine einzige weitere Erkrankung gemeldet worden. Sind im letzten Jahr bis Ende April 61 Menschen im Ländle an Masern erkrankt, so sind es jetzt nur 26. Auch ein schöner Nebeneffekt! Ganz zur schweigen von den selten gewordenen Magen-Darm-Infektionen.

Was geht in der Welt rum? Es gilt eine weltweite Reisewarnung und Reisen selbst in die Schweiz und Österreich sind nicht möglich. Dennoch wollen wir hier weiter berichten, welche Infektionen in der Welt eine Rolle spielen. So werden aus Thailand in diesem Jahr bereits 5 mit Tollwut infizierte Hunde gemeldet. Seit zwei Jahren gibt es dort viele Tollwuterkrankungen, woran im Jahr 2018 nach offiziellen Angaben 17 Menschen und im letzten Jahr 1 Mensch verstarben. Immerhin gibt es gegen Tollwut eine gut wirksame Impfung. Für wen diese sinnvoll ist, sollte vor der Reise mit einem erfahrenen Arzt geklärt werden.

Wenn Sie wegen des Coronavirus auf dem Laufenden bleiben wollen……? Wir bringen ab sofort jeden Sonntag im praxisblättle ein „EXTRA-blättle  Corona“ mit Informationen, die besonders für Eltern und ihre Kinder interessant sein könnten. Schreiben Sie uns gerne, was Sie interessiert und bewegt. Gerne nehmen wir Ihre Fragen und Anregungen auf.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende. Mit Ihnen hoffe ich, dass sich im Mai die Lage für die Kinder verbessert und sie wieder raus dürfen. Raus in die Natur, auf den Spielplatz und in die Kindertagesstätte oder Schule. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff

 

Was geht rum? 25. April 2020

In dieser Woche stieg die Hoffnung, dass wir trotz der Corona-Pandemie  dem Ziel zu ein wenig mehr Normalität im Alltag nähergekommen sind. Das Paul-Ehrlich-Institut hat erstmals in Deutschland eine Zulassung für die klinische Prüfung eines Impfstoff-Kandidaten gegen Corona erteilt. Damit geht weltweit der fünfte Impfstoff ins Rennen. Das deutsche Start-up BioNtech beginnt die Verträglichkeitsprüfung an gesunden Freiwilligen. Wie schon mehrfach erwähnt: Eine Impfung für alle Menschen ist frühestens 2021 zu erwarten. Und das nur, wenn alles günstig läuft.

Sahara-Staub und Fichtenpollen umrahmen ein Blütenteilchen einer Pappel. Quelle: ptw

Unsere Autos sind morgens gelb bestäubt. Das ist vorwiegend den Pollen der Fichte und teilweise auch dem Sahara-Staub geschuldet, der einigen Regionen farbenfrohe morgendliche Stimmungen bescherte. Der Birkenpollenflug war ebenfalls erheblich und für Allergiker stark zu spüren. Aber eben nicht zu sehen.

Gräserpollenflug. Messstelle Basel Quelle: pollenundallergie.ch

Der Gräserpollenflug hat, wie schon letzte Woche beschrieben, eingesetzt. Die Pollenwerte sind aber noch gering, da sich die Pflanzen aufgrund der trockenen Witterung nicht ordentlich entwickeln können.

Andere Infektionen als COVID-19 spielen kaum eine Rolle, was für diese Jahreszeit nicht außergewöhnlich ist. Ob die niedrigen Erkrankungszahlen an Rotavirus– und Norovirus-Darminfektionen auf die Kontaktbeschränkungen zurückzuführen sind ist unklar. Selbst bei Kinderkrankheiten gibt es kaum neue Infektionen. Während im letzten Jahr zum Beispiel bei Windpocken noch durchschnittlich 135 Kinder jede Woche neu erkrankten, sind es nun gerade mal ein Viertel: 35 Personen. Das ist verständlich: Windpocken werden als Tröpfcheninfektion weitergereicht. Und die verhindern wir gerade – so gut es geht.

Häufigkeit von COVID-19 bei Kindern an deutschen Kinderkliniken. Quelle: DGPI

Seit kurzem sammelt die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) Informationen über Kinder in Deutschland, die an COVID-19 erkranken. Dabei zeigt sich ein Trend zu schweren Verläufen bei Säuglingen und Kleinkindern. Die nebenstehende Grafik verdeutlicht auch, dass 38% aller Erkrankungen auf Kinder im ersten Lebensjahr zurückgehen. Bei Schulkindern (6-10 Jahre) liegt die Häufigkeit mit knapp 10% spürbar niedriger.

Einzelne Kindertagesstätten waren auch in den letzten Wochen teilweise geöffnet für eine Notbetreuung der Kleinsten. Die gesetzlichen Grundlagen hierfür haben sich inzwischen geändert. Anspruch auf die Betreuung ihrer Kinder haben nun:

  • alle Alleinerziehenden 
  • alle, die systemrelevanten Berufen arbeiten

Voraussetzung ist, dass die Eltern nicht aus einem Homeoffice arbeiten können. Welche Berufe systemrelevant sind, ist in jedem Bundesland etwas anders geregelt. Mitarbeiter von Polizei, Feuerwehr, Wasser- und Energieversorgung gehören immer dazu. Teilweise aber auch Steuerberater, Mitarbeiter von Banken oder Krankenkassen. Weitere Informationen fürs das Land Baden-Württemberg sind in einer Pressemitteilung aufgeführt.

Was geht in der Welt rum? Wieder einmal such das Dengue-Fieber global viele Menschen heim. Es ist glücklicherweise nicht so gefährlich wie COVID-19, hat aber für einige Kinder durchaus das Risiko tödlich zu sein. Das gilt besonders für solche, die mehrfach daran erkranken. Besonders betroffen sind in diesem Jahr Guadeloupe (7.260 Fälle), Indonesien (17.280 Fälle), Mexiko (20.815 Fälle) und Argentinien (6.170 Fälle). Ganz dramatisch hat es das ehr kleine Land Paraguay mit 223.750 Erkrankungen bei etwa 7 Millionen Einwohnern getroffen. Eine Therapie oder zugelassene wirksame Impfung gibt es nicht.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende. Am besten im Garten zuhause mit Ihren Kindern. Die Frühlingsstimmung sollte uns nicht täuschen. Wir müssen leider noch Abstand halten, das Coronavirus bleibt wie es ist. Gefährlich. Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Peter Th. Wolff