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Badedermatitis: Folge von Saugwürmern in warmen Seen

Endlich Sommer. Endlich Sonne. Endlich baden. Das sehen auch die kleinen Larven der Saugwürmer (Zerkarien) so, die besonders bei Temperaturen von über 20° Celsius von ihren Wirten freigesetzt werden. Der bei weitem häufigste Wirt ist die Ente. Insofern kommen diese Larven hauptsächlich in warmen Seen vor, in denen sich auch Enten wohlfühlen.

Zyklus der Zerkarien (in Englisch). Foto: CDC

Alles beginnt mit Wasservögeln wie Enten, die von den Saugwürmern (medizinisch: Trematoden) befallen sind. Mit ihrem Kot scheiden die Vögel Wurmeier aus. Deren Larven befallen dann zunächst Wasserschnecken, später manchmal auch Fische. Von diesen werden schließlich die Zerkarien ausgeschieden.

Zerkarie Foto: CDC

Die Zerkarien suchen im Wasser nach Enten oder anderen Wasservögeln, in denen sie zu reifen Würmern heranwachsen können. Dabei halten sie sich an der Wasseroberfläche auf, wo sie bis zu drei Tage überleben können. Auf der Suche nach den Enten verwechseln die kleinen Zerkarien ihr Ziel gelegentlich und dringen in die Haut von Menschen ein. Dort haben sie jedoch keine Chance und sterben ab. Der Mensch ist also ein „Fehlwirt“, weil die Zerkarien den Menschen mit der Ente verwechseln.

Wie äußert sich die Badedermatitis?

Badedermatitis. Foto: CDC

Bereits zehn Minuten nach dem Eintritt der Zerkarien beginnt ein leichtes Jucken und es treten kleinste rote Fleckchen auf. Das fällt zunächst kaum auf. Bei wiederholtem Befall, wenn somit an verschiedenen Tagen Zerkarien in die Haut eindringen, tritt eine Sensibilisierung ein: Stunden nach dem Befall mit Zerkarien treten Quaddeln (wie nach Brennesselberührung) auf, die massiv jucken. Aus diesen entwickeln sich kleine Knötchen, die meist nach 1-3 Wochen folgenlos abheilen.

Was hilft vorbeugend?

Das Risiko den Zerkarien zu begegnen kann nur grob abgeschätzt werden. Sie können in stehenden Gewässern auftreten, in denen Wasservögel und Süßwasserschnecken vorkommen.

  • Zerkarien können in trüben stehenden Gewässern mit stark verringerter Sichttiefe vermutet werden.
  • Besonders betroffen sind wasserpflanzenreiche Uferbereiche.
  • Betroffen sind Gewässer, in denen sich Enten und andere Wasservögel wohl fühlen. 
  • Bereiche mit grünen oder blaugrünen Schlieren oder “Teppichen” stellen ebenso ein Risiko dar.

Was kann ich vorbeugend machen, wenn Kinder in einem solchen Wasser gebadet haben?

  • Nach dem Baden umgehend die Badebekleidung wechseln.
  • Die Haut mit dem Handtuch kräftig abrubbeln, um ggf. einige Zerkarien noch von der Haut zu entfernen (fürs bloße Auge sind sie nicht sichtbar).
  • Sofortiges Duschen und Ausspülen der Badebekleidung.
  • Wenn nach dem Baden Hautreizungen, Reizungen der Atemwege oder Magen-Darm-Beschwerden auftreten: Arzt aufsuchen

Die Badedermatitis/ Zerkariendermatitis kommt in unseren Breiten (und auch in Nordamerika) regelmäßig in dieser Jahreszeit vor – aber nur für kurze Zeit, wenn die stehenden Gewässer warm genug sind und sich darin viele Zerkarien aufhalten können. Das trifft meist nur für den Monat Juli zu.

Wanzen – Gewinner der Globalisierung

Nein, man möchte es nicht gerne hören. Und schon gar nicht spüren: Den Juckreiz von Wanzen. Die bekannteste Art sind die Bettwanzen. Sie sind sehr treue Begleiter des Menschen, auch heute noch.

Doch wo tauchen sie überhaupt auf? Bettwanzen sind Kulturfolger. Damit folgen sie den Menschen wie das die Rabenkrähe, die Taube und auch die Wanderratte machen. Wo Menschen sind, sind auch sie anzutreffen. Manchmal mit verheerenden Folgen, wie die durch den Rattenfloh ausgelöste Pestepidemie in Madagaskar Anfang diesen Jahres zeigte, manchmal vorwiegend mit (nur) ärgerlichen Folgen wie bei den Wanzen.

Die Bettwanzen (Cimex lectularius), die in unseren Breiten die nervigsten Plagegeister sind, haben sich über die Zeit den neuen Lebensbedingungen angepasst. In der heutigen Form können sie sich problemlos in Ritzen verstecken. Diese nachtaktiven Tiere werden dann nachts von unseren Körperdüften angelockt und holen sich ihre Blutmahlzeit bei uns Menschen.

Früher kamen sie vorwiegend in Massenunterkünften vor. Mit der Globalisierung haben sie sich den neuen Gegebenheiten angepasst und sind in Hotels, Studentenheimen, Seniorenheimen und Berghütten (unterhalb 2000 m) ebenso anzutreffen wie in Eisenbahnen und sogar Flugzeugen. Mit der Schmutzwäsche von Touristen treten sie die Reise zu diesen unterschiedlichen Orten an. Die Wanzen benötigen alle drei bis fünf Tage eine Mahlzeit, können aber über Monate auch ohne Mahlzeit auskommen.

Beim Menschen befallen die Wanzen oft Hautstellen, die nicht bedeckt sind, beispielsweise die Arme (siehe Abbildung 2). An den Stichstellen bilden sich Quaddeln aus, die oft eng zusammenstehen und damit eine klinische Diagnose leicht ermöglichen. Das nennt sich dann in der Medizin Cimikose. Diese Hautstellen können später durch ein Ekzem verstärkt werden oder auch durch eine Infektion mit Bakterien. Bis heute ist aber kein Risiko für die Übertragung von schwerwiegenden Erkrankungen bekannt, wie beispielsweise beim Rattenfloh.

Kann man sich schützen? Es gibt Hinweise, dass es günstig ist, die eigene Schmutzwäsche in einem separaten Sack zu verschließen, weil diese – „duftende“ –  Wäsche für die Wanzen besonders attraktiv ist und sie auf diesem Wege aus dem Urlaub leicht nach Hause mitgeführt werden könnten.

Ist die Diagnose sicher, wird der Arzt zunächst den Juckreiz behandeln. Dafür stehen mehrere Optionen zur Verfügung, die je nach Alter, Befall und Vorgeschichte des Patienten gewählt werden. Im ungünstigsten Fall, kann eine Dekontamination zuhause erforderlich sein, um die Bettwanzen erfolgreich zu bekämpfen.