Schlagwort: Risiko

Schweizer Studie: Cannabiskonsum mit Wasserpfeife riskant

Das Thema Drogen beschäftigt wohl alle Eltern in der Pubertät ihrer Kinder. In aller Regel liegt ein Tabu über allem. Das zeigt sich in vollmundigen Statements wie: „In unserer Schule haben wir kein Drogenproblem“. Auf dem Lande verweist man dabei gerne auf den Sündenpfuhl der Städte. Dass Drogen aber in allen Landesregionen eine Rolle spielen, zeigt ein schlichter Blick in die regionalen Tageszeitungen.

Ein Thema ist in diesem Zusammenhang die Wasserpfeife (Shisha), über die verschiedenes inhaliert werden kann, eben auch Cannabis.

Mit diesem Thema hat sich eine Untersuchung in der Schweiz befasst. In der Studie um die Forscherin Dai-Hua Tsai von der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsspitals in Zürich wurden 5987 Schweizer Rekruten bei Ihrer Eingangsuntersuchung ins Militär befragt. In die Studie aufgenommen wurden 1108 Rekruten, die bei der ersten Befragung (zwischen 2010 bis 2012) angaben, nur Cannabis zu konsumieren. Von diesen benutzten 343 (30%) eine Wasserpfeife als Mittel zur Inhalation von Cannabis.

Bei einer weiteren Untersuchung 6 Jahre später (2016-2018) zeigte sich, dass sich unter den Nutzern der Wasserpfeife mehr Männer befanden, die inzwischen auch andere illegale Drogen (Stimulantien, Halluzinogen)  konsumierten. Das Risiko, weitere Drogen zu nutzen war gegenüber den Nicht-Wasserpfeifen-Nutzern um über die Hälfte (aOR 1,54) höher.

Die Nutzung der Wasserpfeife als Mittel zur Inhalation von Cannabis erhöht das Risiko, später zu härteren Drogen zu greifen.

Was geht rum? 01. Mai 2021

Wie viele Personen erkranken trotz Impfung an COVID-19 ?

Coronaimpfung in der Schwangerschaft?

Coronapandemie: Psychische Belastung für Kinder und Jugendliche

Birkenpollen – Rotaviren – FSME

Die Zahl der Geimpften steigt nun auch in Deutschland stetig an. Aber wie hoch ist die Zahl der Durchbruchsinfektionen? Wie viele Personen erkranken mit COVID-19 trotz einer Impfung? Dazu gibt es aktuelle Informationen vom CDC (Centers for Disease Control an Prevention) aus den USA. Stand 20. April sind dort 87 Millionen Menschen vollständig geimpft, während 7157 von ihnen eine Durchbruchsinfektion erlitten (0,008% – also eine Person auf 12.155 Geimpfte). Von diesen waren 46% älter als 60 Jahre und 1% verstarb an der Infektion – also 1 auf 1 Million Geimpfte.

Schwangerschaft Foto: pixabay, Marjon Besteman

Bislang wird in Deutschland eine Impfung in der Schwangerschaft von der STIKO (Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut) generell nicht empfohlen. Für Einzelfälle ist sie nach Abwägung von Nutzen und Risiko aber möglich. Schwangere und ungeborene Kinder genießen einen besonderen Schutz, der sich auch auf Impfungen erstreckt. Andererseits erkranken schwangere Frauen nachweislich schwerer an SARS-CoV2. In einer umfangreichen Studie des CDC zeigte sich, dass – gegenüber nicht schwangeren Frauen – sie 3 Mal häufiger auf Intensivstationen behandelt und beatmet werden müssen. Auch das Sterberisiko ist über die Hälfte größer.

Mit Hilfe einer komplexen Studie hat das Center for Disease Control and Prevention (CDC) (in Englisch) nun erste Ergebnisse zur Coronaimpfung von 35.000 Schwangeren veröffentlicht. Sie beziehen sich auf Daten von Mitte Dezember 2020 bis Ende Februar 2021 nach Impfungen mit mRNA-Impfstoffen erfolgte. Es zeigte sich, dass gegenüber einer Kontrollgruppe nicht geimpfter schwangerer Frauen keine Unterschiede in Bezug auf Komplikationen (Abort, Blutungen, Frühgeburtlichtkeit u.a.)  zu sehen waren. Das ist sehr erfreulich, gibt aber nur Informationen über 2 1/2 Monate einer Schwangerschaft wieder. In einigen Ländern werden Schwangere sogar priorisiert geimpft. In Frankreich gilt seit dem 16. April 2021: „Schwangere Frauen ab dem 2. Trimester können sich in einer Impfstelle impfen lassen“

Symptome von Jugendlichen in Zürich im Zusammenhang mit COVID-19 Foto: NZZ

Schulschließungen, geschlossene KiTas, gesperrte Kinderspielplätze und geschlossene Clubs seit Monaten. Für Kinder und Jugendliche sind körperliche Erkrankungen im Zusammenhang mit dem SARS-CoV-2 sicher eher selten. Die Bedeutung der psychischen Auswirkungen werden andererseits klarer und bedrückender. So berichtet Markus A. Landolt vom Kinderspital Zürich, dass im Jahr vor der Coronainfektion 19 Kinder und Jugendliche auf der Notfallstation wegen eines Suizidversuchs aufgenommen wurden. Im Corona-Jahr 2020 waren es bereits 49, mehr als doppelt so viele. In einer Studie befasst sich das Team um Landolt (in Englisch) mit den Auswirkungen von Corona auf die seelische Gesundheit in den verschiedenen Altersstufen. Für Jugendliche zeigt sich, dass depressive Symptome und Ängste gegenüber aggressivem Verhalten überwiegen.

Für dieses Wochenende ist Regen angekündigt, die Birkenpollen werden vermutlich erst am Montag wieder zum Flug ansetzen. Der könnte dann aber heftig ausfallen.

Wie in jeder Woche, so sind auch jetzt Infektionen bei Kindern glücklicherweise rar. Magen-Darm-Infektionen durch Rotaviren und Noroviren spielen kaum eine Rolle. Die von Zecken übertragene FSME kommt – vermutlich wegen des recht kalten Aprils – noch selten vor: ein Fall in der letzten Woche.

Zahl wöchentlicher Neuerkrankungen mit COVID-19 weltweit Foto: economist

Was geht in der Welt rum? In Indien ist je nach Lesart eine zweite oder dritte Welle mit Coronainfektionen ausgebrochen mit dramatischen Folgen für die Menschen auf dem Subkontinent. Aus vielen anderen Ländern werden eher erfreuliche Zahlen gemeldet.

Ich wünsche einen angenehmen Start in den Wonnemonat. Ganz herzlich grüßt Sie Ihr

Trampolinspringen

Der Frühling kommt. Kinder und Jugendliche drängt es nach draußen. Wärme, Freiheit und Bewegung. Was gibt’s da schöneres als ein Trampolin?

Wir verbinden es mit der Freiheit zu fliegen, dem ausgelassenen Spaß draußen im Grünen und der Einladung, sich körperlich zu verausgaben. Leider sieht die Realität oft anders aus. Die meisten Kinder sind eben nicht so sportlich. Und, das Trampolin ist ein Saison-Gerät. Nach einem langen Winter sind einige Bewegungen nicht mehr so drin wie im Jahr zuvor – kurzum: es birgt gerade zu Beginn im Frühjahr einige Risiken.

Dazu liegen vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) liegen erstmals Merkblätter zu den Trampolinunfällen vor. Und gleich in mehreren Sprachen: Deutsch, Türkisch, Englisch, Polnisch, Italienisch und Französisch. In gedruckter Version gibt es sie nicht, sie können aber nach Registrierung kostenlos bei der bvkj-service GmbH bestellt und runtergeladen werden.

Die Zahl der Unfälle mit dem Trampolin werden von vielen Eltern unterschätzt. Sie kommen in der Praxis jedes Kinder- und Jugendarztes regelmäßig vor. Eine zentrale Regel ist: Für Kinder unter 6 Jahren ist kein Trampolinspringen sinnvoll.

RSV-Virus – gibt es bald neue Therapien?

Informationen zu Impfungen gegen Viren finden sich seit Beginn der Corona-Pandemie spürbar häufiger in den Medien. Im Vordergrund stehen dabei die Impfungen gegen das Corona-Virus (SARS-CoV-2) und das Grippevirus (Influenza), deutlich dahinter das Masernvirus, was im Zusammenhang mit dem Masernschutzgesetz wieder an Bedeutung gewann.

Für Säuglinge gibt es jedoch ein weiteres Virus, das eine große Bedeutung hat: das Respiratorische Synzytial-Virus, kurz RSV. Wie das Influenzavirus tritt auch das RS-Virus vorwiegend in den Wintermonaten auf. Das RS-Virus wird vornehmlich übertragen, wenn mit Virus-Tröpfchen bedeckte Hände die Augen- und Nase berühren. Kinder im ersten Lebensjahr sind besonders stark betroffen, 48.5 von 1000 Kindern laut RKI. Dabei liegt die Tödlichkeit bei sonst gesunden stationär behandelten Kindern in den ersten beiden Lebensjahren bei immerhin 0.2 Prozent.

Ein Impfstoff gegen das RSV wäre also ein Segen, gerade für Säuglinge und jungen Kleinkinder und ganz besonders für frühgeborene Kinder und solche mit Vorerkrankungen (z.B. Herzfehler, Mukoviszidose, neurologische Erkrankungen). Leider sind vielfache Versuche einen Impfstoff zu entwickeln gescheitert, zuletzt in den 1990ger Jahren. Das liegt auch daran, dass der Aufbau ausreichender Antikörper beim jungen Säugling nicht gelingt. Der Versuch, Schwangere gegen RSV zu impfen in der Hoffnung, dass sie Antikörper auf den Säugling übertragen könnten, gelang zwar. Aber die Wirksamkeit dieser Impfung bei den Säuglingen war dann doch enttäuschend, so dass bislang keine aktive Impfung gegen RSV zugelassen wurde.

Bis heute steht zur Vorbeugung von RSV-Infektionen bei Risikokindern nur eine passive Immunisierung mit dem monoklonalen Antikörper Palivizumab (Handelsname: Synagis©) zur Verfügung. Dieser zeigt immerhin eine mäßige Wirksamkeit und muss monatlich als intramuskuläre Spritze verabreicht werden.

Inzwischen ist ein weiterer monoklonaler Antikörper namens Nirsevimab entwickelt worden, der sich in einer Phase-2-Studie als wirksam erwiesen hat. Die Ergebnisse der Studie um das Forscherteam von M. Pamela Griffin lassen auf eine bessere Wirksamkeit hoffen. Immerhin konnten in der Studie etwa 70% der RSV-Infektionen im Vergleich zu einem Placebo verhindert werden. Und das bei nur einer Injektion für die gesamte RSV-Saison.

Weitere Studien sind erforderlich, bis dieser Antikörper zugelassen werden kann. Bleibt zu hoffen, dass auch diese günstig ausfallen, damit die Risikokindern noch besser vor diesem potentiell gefährlichen Virus geschützt werden können.

…..Ich bleib dann mal daheim!

Erst war Corona weit weg, jetzt kommt die Erkrankung COVID-19 in den Dörfern an. Leider gab es in den letzen Wochen zu viele Menschen, die mal eben noch auf die auf die Skipiste gingen (“ es ist so herrlich leer hier“) oder sonstwie dazu beitrugen, dass sich viel ansteckten. Allein ein Barkeeper in Ischgl soll Hunderte angesteckt haben.

Neuinfektionen mit COVID-19 nach Tag in Deutschland Quelle esri

Wie zügig die Ausbreitung verläuft zeigt die interaktive esri-Karte für Deutschland. Sie gibt die Daten des Robert Koch-Instituts in Berlin wieder, also die besten und sichersten Daten auch für Baden-Württemberg. Im „Was geht rum“ vom Samstag war zu lesen, dass von 100.000 Menschen im Lände 2,5 am Coronavirus erkrankt seien (Daten vom 11. März). Gestern (17.03.), 6 Tage später sind es bereits 10,02 – also vier Mal so viele. Heute (18.03.) liegt sie bereits bei 14,60. Die Kurve auf der interaktiven Karte (siehe auch die Graphik links) zeigt diesen exponentiellen Verlauf deutlich.

Es ist also wenig verständlich, dass sich bei dem herrlichen Wetter gestern lange Schlagen vor den Eisdielen bildeten und Menschen in Gruppen in den Parks saßen. Zwei Drittel von uns werden erkranken, Kinder und Jugendliche schwächer als die Erwachsenen. Alle, Eltern, Geschwister, Opas und Omis, Freunde, Verwandte und Chefs sind also gefordert. Wir müssen Abstand voneinander halten, damit das Virus weniger Menschen anstecken kann.

Die Bedrohung durch das Virus ist tatsächlich da, ganz banal und für manche Menschen existentiell. Der Blick nach Italien hilft. Dort wird vielen über 80-Jährigen die Beatmung verweigert, weil für die Maßnahme schlicht keine Kapazität vorhanden ist. Manche Opis und Omis mögen sagen, ich will sowieso sterben. Aber bitte nicht so! Wenn eine Atemnot nicht behandelt werden kann ist das grausam!

Die kleinen Freiheiten sind sicher etwas nettes, wie im anrührenden und herrlichen Film „les petites fugues“ von 1979. Jetzt aber ist das Brechen der Verbote völlig fehl am Platz. Jetzt gilt es, dass wir dazu beitragen, damit wir alle halbwegs ungeschoren durch diese Infektion kommen. Dieses Miteinander ist was schönes. Fangen wir mal gleich an. … Ich bleib mal daheim.

ADHS: Risiko im Straßenverkehr

Das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADHS) hat für viele Familien im Alltag eine enorme Bedeutung. Eltern von ADHS-Kindern und -Jugendlichen wird im Alltag Einfühlungsvermögen, Geduld und auch Zeit abverlangt, wenn sie ihrem Kind gerecht werden wollen. Und fast immer bleibt bei ihnen das Gefühl zurück, zu versagen und den vielfältigen Anforderung nicht gerecht werden zu können.

Aber enorm viele Eltern machen es richtig gut. Obwohl sie mit sich selbst nicht zufrieden sind. Perfekte Eltern gibt es zum Glück nicht, auch nicht bei Kindern, die vom ADHS betroffen sind. Diese meist gute Betreuung zuhause ist enorm wichtig. Zunächst, weil sich die betroffenen Kinder dann auch angenommen und geliebt spüren. Und weil sie mit diesem Gefühl und den erlebten Erfolgen viele weitere Herausforderungen angehen und damit Fortschritte erzielen können.

Das ist wichtig. Mangelnde Konzentration und eingeschränkte Impulskontrolle können durchaus Folgen haben, wie eine neue Studie zeigt. Dabei wurde das Verhalten nach Erwerb des Führerscheins von ADHS-Jugendlichen mit dem einer Kontrollgruppe verglichen. Die Forschungsgruppe aus Philadelphia (USA) um Allison E Curry konnte dabei die Daten von 14.936 Jugendlichen (Geburtsjahrgänge 1987 – 1997) mit den Daten der Verkehrsüberwachung des Bundesstaates New Jersey abgleichen. Dabei zeigte sich, dass die Unfallraten bei ADHS-Jugendlichen und -Heranwachsenden gegenüber nicht Betroffenen um 62% höher lagen. Besonders auffallend war, dass das Risiko für alkoholbedingte Unfälle mehr als verdoppelt (OR 2.1) war.

Die Untersuchung macht deutlich, dass die Schwierigkeiten bei ADHS weit über den schulischen Erfolg oder Misserfolg hinaus reichen. Noch gibt es keine offiziellen Empfehlungen. Aber es macht mit diesem Hintergrundwissen Sinn, das Verhalten im Straßenverkehr früh zu üben. Das fängst schon vor der beliebten Fahrradprüfung in der Grundschule an.

Vegetarische Ernährung: Was muss im Kindesalter beachtet werden?

Für die Großelterngeneration war das tägliche Stück Fleisch auf dem Teller Ausdruck von Luxus. Später wurde es zur Gewohnheit. In den letzten Jahren wird es zunehmend in Frage gestellt, nachdem verschiedene Studien den Einfluss von Nahrung auf die Gesundheit beschrieben haben.

Spezielle Ernährungsformen sind zuletzt immer bedeutender geworden. Das hat nicht nur Auswirkungen für die Menschen, die das für sich selbst umsetzen. Davon betroffen sind auch Menschen im näheren Umkreis, wie der Familie. Ob ein Erwachsener entscheidet sich vegan zu ernähren oder ob ein Kind vegan ernährt wird sind zwei komplett unterschiedliche Themen. Gut also, dass sich Fachgesellschaften der Kinder- und Jugendmedizin gemeldet haben und sich wissenschaftlich mit diesem Thema auseinandersetzen.

Man geht davon aus, dass sich in Deutschland zur Zeit etwa 10% rein vegetarisch und etwa 1% der Menschen vegan ernähren.

Kritische Nährstoffe nach Kersting et al, 2018. Foto: Monatsschrift Kinderheilkunde

In der neuesten Ausgabe der Monatsschrift für Kinderheilkunde setzen sich Hermann Kalhoff, Thomas Lücke und Prof. Dr. Mathilde Kersting aus dem Forschungsdepartment Kinderernährung in Bochum mit dieser Frage auseinander. Sie weisen darauf hin, welche „kritischen Nährstoffe“ bei bestimmten Diäten in verminderter Form auftreten können. Das hat für einen Organismus im Wachstum enorme Bedeutung. Im Detail können Sie sich hier schlau machen.

Insgesamt kommen die Autoren zum Schluss, dass „überzeugende Argumente für gesundheitliche Vorteile vegetarischer Kostformen gegenüber den bewährten Standards der Ernährung von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen…. bisher fehlen“. Sie empfehlen „je nach Strenge der Diät, entsprechende Sicherheitsvorkehrungen“ und Beratung, um keine Risiken für die Entwicklung der Säuglinge, Kinder und Jugendlichen einzugehen.

Tuberkolose an einer Schule in Karlsruhe: Grund zur Sorge im Ländle?

Um die Antwort gleich vorab zu geben: NEIN, es besteht für die Kinder und Jugendlichen in Baden-Württemberg kein Grund zur Sorge. Tuberkulose ist eine schlimme Erkrankung und es bleibt wichtig, sie genau im Auge zu behalten. Leider wurde sie nun von vielen Gruppen politisch genutzt um gegen Migranten Stimmung zu machen. Das geben aber die Zahlen überhaupt nicht her.

Bereits im Dezember 2018 konnten Sie im praxisblättle einen Artikel zur Tuberkulose finden, der sich mit den aktuellen Erkrankungszahlen befasst. Neuere Zahlen liegen von Seiten des Robert Koch-Instituts bislang nicht vor.

Die Unterscheidung von Erkrankten und Infizierten ist für viele Nicht-Mediziner verwirrend. Aber für die Betroffenen entscheidend. Wenn Tuberkelbakterien mit einem gesunden Organismus in Kontakt kommen, wird dieser Erreger dort erkannt und der Körper leitet Gegenmaßnahmen ein. Das ganze findet bei völligem Wohlbefinden des Betroffenen statt. Erst eine Laboruntersuchung (IGRA-Test) oder eine Hautreaktion (GT 10) zeigen an, dass eine Infektion stattgefunden haben muss: es handelt sich also um einen Infizierten. Er oder sie ist offensichtlich gesund, aber die Medizin kann nachweisen, dass ein Kontakt zur Tb stattgefunden hat.

Der Erkrankte hat Zeichen einer aktiven Erkrankung. Das kann ein Befall der Lunge sein, der über ein Röntgenbild erfasst wird. Oder, gerade bei Kleinkindern, kann es auch ein Befall von Lymphknoten sein. In diesem Fall bestehen Krankheitszeichen wie Husten, Gewichtsverlust oder Leistungsabfall.

Beide, der Erkrankte wie der Infizierte, benötigen eine Therapie. Sie wird den erkrankten Menschen wieder gesund machen und dem infizierten hilft sie, die Erkrankung nicht zu bekommen. Es ist klar, dass Zahl der Medikamente (bei Tuberkulose sind es zumeist 3 Medikamente parallel) und Dauer der Medikamentengabe sehr unterschiedlich sind.

In Karlsruhe sind laut Pressemitteilung „in der betroffenen Jahrgangsstufe….88 % der Mitschüler infiziert“. Diese sind also nicht erkrankt und brauchen in aller Regel eine medikamentöse Therapie von „nur“ 3-6 Monaten, damit das auch so bleibt. Durch die Untersuchungen an Schülern und Lehrern wurden vier Erkrankte identifiziert. Das ist für die Betroffenen gut, weil sie nun behandelt werden können. Und es ist für sie unangenehm, weil sie ggf. für längere Zeit Medikamente nehmen, isoliert werden müssen und die sozialen Kontakte begrenzt werden.

Kinderkrankheit: Ringelröteln („fünfte Krankheit“)

Eine neuere Kinderkrankheit stellen die Ringelröteln (medizinisch: Erythema infectiosum) dar. Der Ausschlag war schon lange bekannt. Schon vor über 200 Jahren hatte man die Krankheiten mit Ausschlägen gegeneinander abgegrenzt: die Masern (1. Krankheit), Scharlach (2. Krankheit), Röteln (3. Krankheit), Rubeola scarlatinosa („schwacher Scharlach“, 4. Krankheit). In diesem Zusammenhang hat der englische Arzt Clement Dukes diese Krankheit „fünfte Krankheit“ genannt.

Die genaue Beschreibung des Krankheitsbildes gelang erst 1983. Damals konnte belegt werden, dass das zuvor per Zufall entdeckte Parvovirus B19 der Auslöser dieser Krankheit ist.

In vielen Fällen verlaufen die Ringelröteln ohne Symptome und unbemerkt. Im klassischen Fall kommt es zu leichten Symptomen eines Atemwegsinfektes, gefolgt vom typischen Ausschlag: Im Beginn meist stärkere und symmetrische Rötung der Wangen („Ohrfeigenkrankheit“). Später folgt ein zunächst punktartiger Ausschlag (daher der Begriff „….röteln“), dessen Flecken immer größer werden und zuletzt girlandenförmig zusammenfließen ((„Ringel …“). Dieser Hautausschlag ist am besten an den Streckseiten der Oberarme, aber auch an Unterarmen und Oberschenkeln zu sehen. Er kann wenige Stunden, manchmal aber auch viele Tage (und Wochen) andauern. Die Stärke des Ausschlags wechselst häufig und ist bei Sonnenschein oder Erregung in der Regel stärker ausgeprägt. Typischerweise geht es Kindern fast immer gut, Jugendliche können gelegentlich etwas schlapp sein.

Neben dem Ausschlag tritt meist eine sehr milde Blutarmut auf, die sich aber praktisch bei Gesunden nicht auswirkt. Ganz selten treten leichte Gelenkschmerzen auf, die jedoch ohne weitere Behandlung folgenlos abklingen.

Eine Therapie der Ringelröteln ist nicht erforderlich.

Eine Impfung gegen Ringelröteln gibt es nicht.

Die einzig wichtige Problematik ist, dass Ringelröteln – wenn sie bei einer Schwangeren auftreten – auf das werdende Kind übertragen werden können. Dort befällt das Virus die roten Blutkörperchen (was es bei den grösseren Kindern auch macht, aber ohne erkennbare Auswirkungen). Das ungeborene Kind erleidet hierdurch häufig einen deutlichen Verlust an roten Blutkörperchen. Das kann schwere Komplikationen bis zum Tod zur Folge haben. Treten Ringelröteln auf, müssen Schwangere in der Umgebung unbedingt darauf hingewiesen werden. In aller Regel wird dann überprüft, ob sie diese Krankheit bereits durchgemacht haben. Ist dies der Fall, treten keine Probleme auf. Andernfalls muss das weitere Vorgehen individuell mit der Ärztin oder dem Arzt abgestimmt werden.

Fitness-Studio für Kinder?

Fitness ist seit Jahren in – nicht nur bei Muskelprotzen. Das Fitnessstudio ist im Breitensport
angekommen. Aber ist dieser Sport auch für Kinder geeignet?

Dazu hat der Sportwissenschaftler Prof. Dr. Michael Fröhlich von der TU Kaiserslautern Stellung bezogen. In seinem Buch „Krafttraining bei Kindern und Jugendlichen: Hintergründe, Trainingspläne, Übungen“ – erschienen in zweiter Auflage 2011 – und in weiteren Veröffentlichungen geht er auf viele Aspekte von Krafttraining bei Kindern und Jugendlichen ein.

Während man vor 30 Jahren aufgrund spärlicher Informationen noch vorsichtig war, weiß man heute mehr. Natürlich ist das Fitnessstudio nicht für eine unkontrollierte Nutzung durch Kinder geeignet. Aber unter Anleitung können auch Kinder ab dem Alter von etwa 11 Jahren an Geräte herangeführt werden. Dazu bemerkt Prof. Dr. Fröhlich in seiner Arbeit: “ …. koordinative
Fertigkeitsbasis ausbilden; Aufnahme eines speziellen Ausdauertrainings ist zu empfehlen,
Aufnahme eines gerätegestützten Krafttrainings nur im Verbund geeigneter Geräte, ansonsten sind funktionsgymnastische Kräftigungs- und Beweglichkeitsübungen empfehlenswert“.

Manche Kinder und Jugendliche reizt es, durch Kraftübungen ihre Grenzen auszuloten. Sie stehen damit jedoch im hohen Risiko, sich zu schnell und zu große Gewichte mit teilweise ungünstiger Belastung von Knochen und Gelenken zuzumuten. Anleitung und regelmäßige Kontrolle durch ausgebildete Trainer ist also Grundvoraussetzung für Kraftübungen.

Im Fitnessstudio herrscht eine erstaunliche Toleranz. Kraftprotze akzeptieren die Dicken und die Alten und umgekehrt. Gerade deswegen haben auch Jugendliche, die sonst nicht so sportlich sind gute Chance dort sportlich einzusteigen.

Krafttraining hat manche günstigen Aspekte. Für adipöse Kinder und Jugendliche kann es ein guter Einstieg in den Fettabbau sein. Rücken- und Bauchübungen können helfen, Haltungsstörungen abzubauen, die durch langes Sitzen in Schule und am Bildschirm an Bedeutung zunehmen. Hierfür gibt es einzelne Studien wie die von Avery D Faigenbaum und Mitarbeitern von der Universität Massachusetts in Boston. Sie haben den Einfluss eines kurzzeitigen Trainings sogar bei Kindern von 5 bis 12 Jahren untersucht. Für dies Altersgruppe kommt ein Krafttraining aber nur unter spezieller fachlicher Anleitung (Kinder-Therapeuten) und nur sehr kurzfristig in Frage.

Übrigens: Zuhause erstmal mit Liegestützen oder Kniebeugen anzufangen ist nicht günstig. Meist ist der Reiz für Ungeübte zu hoch. Dadurch können vielfache Probleme an Gelenken und am Halteapparat ausgelöst werden. Gerade bei allen Kraftübungen ist eine fachlich kompetente Anleitung Grundvoraussetzung.