Schlagwort: Staub

Hantavirus – eine seltene Gefahr für Kinder im Ländle

Viele Erkrankungen werden vom Tier auf den Menschen übertragen. Tiere treten also als Überträger – Vektor – auf. Obwohl sie einen Erreger übertragen, werden sie dabei aber selbst nicht krank. Das betrifft zum Beispiel die Borrelien und FSME-Viren, die von der Zecke an den Menschen bzw. andere Tiere weitergegeben werden. Als Vektor können aber auch Ratten – wie bei der Pest – oder Mäuse auftreten.

Baden-Württemberg ist bei den Erkrankungen mit dem Hantavirus schon immer führend in Deutschland. Dabei wird zumeist das Puumalavirus (PUUV) durch die Rötelmaus übertragen. In diesem Jahr übertrifft sich das Ländle dabei selbst. Waren es im letzten Jahr um diese Zeit gerade mal 24 gemeldete Infektionen, so sind im bisherigen Jahr 2021 bereits 796  Hantavirus-Infektionen aufgetreten.

Häufigkeit der Hantavirusinfektionen in Deutschland im Jahre 2005 Foto: Epidemiologisches Bulletin, RKI

Die relativ seltene Erkrankung mit Hantaviren wird in aller Regel über die Ausscheidung infizierter Mäuse übertragen. Dabei ist Interessant, dass die Übertragung des Hantavirus vorwiegend durch die Einatmung (Inhalation) von infiziertem Staub erfolgt. Dorthin gelangt das Virus durch den Speichel, Urin oder Kot der Mäuse. Betroffen sind meist Männer der Altersgruppe 30-49 Jahre. Bei Kindern tritt die Erkrankung selten auf. So sind zwischen 2001 und 2018 in Baden-Württemberg 6 Erkrankungen bei Kleinkindern (unter 7 Jahre) gesichert.

Die Erkrankung tritt in unseren Breiten nach einer Inkubationszeit von 2-4 Wochen als hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom (HFRS) auf: in der ersten Woche bestimmen Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen das Bild. Gelegentlich kommt es zu Blutungen der Haut oder Schleimhäute. In der zweiten Woche kommt es zum Blutdruckabfall, zum Abfall der Blutplättchen (Thrombozytopenie) sowie einer interstitiellen Nephritis (Nierenentzündung). Zwischen dem 9. und 12. Tag tritt ein Nierenversagen ein sowie Lungenstörungen, die teilweise zum Tod führen. Auch wenn viele Erkrankungen eher schwach oder sogar ohne Symptome verlaufen, kann die Hantavirusinfektion einen extrem schweren Krankheitsverlauf nehmen. Details hierzu beschreibt die Seite des RKI hier.

Obwohl Kinder selten mit dem Hantavirus erkranken, kann das Risiko im Einzelfall etwas höher sein. Beispielsweise bei Kindern, die auf alten Bauerhöfen mit großen Tennen leben oder bei Kindern in Waldkindergarten. Hierzu gibt es ein interessantes Merkblatt vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg.

Beim Reinigen von Gartenhäusern, Kellern oder Speichern sollte immer bedacht werden, dass in der Raumluft – Aerosol – infektiöse Teichen schweben könnten, die beim Einatmen zu einer Hantavirus-Erkrankung führen könnten. Im Zweifelsfall sollte der schwäbische Ordnungssinn zurückgestellt werden. Vorbeugende Maßnahmen beim Reinigen solcher Räume: zunächst gutes Durchlüften (mind. 30 Minuten). Grundsätzlich sollten Handschuhe und Mundschutz getragen werden. Zur Vermeidung von Staubaufwirbelungen ist feuchtes Wischen günstiger. Verschmutzte Flächen sollten desinfiziert werden. Detaillierte Hinweise gibt das Robert-Koch-Institut hier.

Überempfindlichkeit der Atemwege

„Mensch, sei nicht so überempfindlich!“. Diesen Satz hört man gerne mal, wenn jemand auf eine kleine unbedachte Äußerung hin mit heftigen Worten reagiert. Wenn also Auslöser und Reaktion nicht zusammenpassen.

Ähnlich ist das bei der Überempfindlichkeit der Atemwege, medizinisch als bronchiale Hyperreagibilität (BHR) oder nasale Hyperreagibilität (NHR) bezeichnet, wenn die Schleimhäute der Nase betroffen sind. In diesem Fall sind die Schleimhäute zu empfindlich. Denn sie ertragen manche „normale“ Alltagsbelastung in der Luft nicht mehr, die ein Mensch in der Regel ohne Symptome überstehen würde.

Symptomatik

Das häufigste Symptome ist ein meist trockener Husten, ausgelöst durch einen alltäglichen Reiz. Auslöser können sein:

  • Kalte (und oft auch feuchte) Luft. Der Nebel im November ist ein typisches Beispiel, aber auch eiskalte Luft in den Wintermonaten.
  • Sehr trockene Luft wie in den Flugzeugen bei hoher Höhe.
  • Parfüm, Küchendämpfe und andere Gerüche in der Einatemluft.
  • Dabei ist das Allgemeinbefinden kaum beeinträchtigt.

Weitere Symptome können auch ein Räuspern oder ein Räuspertic in der Folge sein.

Ursachen

Verschiedene Auslöser kommen für die BHR infrage. Im Kindes- und Jugendlichenalter sind es häufig Atemwegsinfekte, die nach Abklingen aller Symptome für meist 4 bis 6 Wochen überempfindliche Bronchien zurücklassen. Keuchhusten hinterlässt sogar eine Monate andauernde BHR. Manchmal können Atemwegsinfekte (wie z.B. die von RS-Viren ausgelösten) auch ein potente Quelle für eine Überempfindlichkeit sein, die lange anhält und eventuell in ein Asthma bronchiale übergeht.

Für Kinder ist ein wesentlicher Auslöser die Rauchbelastung durch Zigaretten (SHS – second-hand-smoking) in der Wohnung. Raucher selbst haben eine schwere Form der BHR, die sich bei der morgendlichen Zigarette mit heftigem Abhusten zeigt. Interessant ist, dass selbst der (vielleicht schon lange verstorbene) rauchende Opa sich negativ auf die Atemwege seine Enkel auswirkt. Das heißt, durch genetische Veränderungen ist eine Überempfindlichkeit der Bronchien bei ihnen häufiger, selbst wenn die eigenen Eltern nie rauchten.

Abbildung 1. Bedeutung von Zigarettenrauch und Umweltgasen. Foto: Lung White Book, WHO, 2016

Zur BHR können auch schlecht gelüftete Räume, Parfümerien, Schreinereien und natürlich Lackierwerkstätten beitragen. Deren Bedeutung für Kinder und Jugendliche ist begrenzt. Aber, Autoabgase spielen eine grössere Rolle, da Kinder mit ihren Atemorganen näher an an Autoabgasen dran und diesen deutlicher ausgesetzt sind („Dieselgate“). Dennoch: Zigarettenrauch ist bedeutsamer.

Dazu kommen noch viele giftige Gase als Auslöser. Oder Stäube (auf Dachböden, Scheunen), Faserteilchen (Glaswolle, Mineralwolle) oder Pollenflug (unabhängig von der Allergie).

Verursachung

Alle die genannten Reize lösen auf die eine oder andere Art eine Entzündung der bronchialen Schleimhaut aus. Diese hat verschiedene Folgen. Zunächst können durch die nicht intakte, dünnere Schleimhaut die in den Bronchien liegenden Nervenfasern leichter gereizt werden, was Husten auslöst. Zum anderen führt die Entzündung über die Zeit zum Verlust einzelner Bronchialzellen, die durch sog. Becherzellen ersetzt werden. Letztere produzieren den vermehrten Schleim, tragen aber nicht mehr zur Abwehr und zum Abtransport des Schleims in den Atemwegen bei.

Therapie

Je nach Dauer und Auslöser kann eine Inhalationstherapie sinnvoll sein (z.B. mit einem inhalierbaren Cortison)

Vorbeugung

Reine Luft ist eine sehr gut wirksame und einfache Vorbeugung. Keine Rauchbelästigung für das Kind: nicht im Haus, nicht im Auto, nicht bei Festen. Immer wieder an die frische Luft gehen, im Sommer wie im Winter. Die Wohnung sollte immer wieder gelüftet werden (Stoßlüften !).

Luftbefeuchter? Nein. Sie mögen die Luft im geringen Ausmaß befeuchten, werden aber bald zur „Schimmelpilzschleuder“ und somit zu einem gravierenden Gesundheitsproblem. Nebenbei sind sie teuer.

Und bei den vielen praktischen Fragen? Wenden Sie sich an Ihren Kinder- und Jugendarzt. Oder, wenn der sich unsicher ist, in Absprache mit dem Kinderarzt an eine Kinderpneumolog*in. Das sind die Spezialisten für Atemwegsprobleme bei Kindern und Jugendlichen.

Ein lang anhaltender „Reizhusten“ kann auch mal ein beginnendes Asthma sein und sollte in jedem Fall abgeklärt werden. Und für ein solches Asthma spielt im Kindesalter häufig auch Allergie eine große Rolle.