Schlagwort: Vergiftung

Was geht rum? 15. Mai 2021

Giftpflanzen: Das Maiglöckchen

Zecken: Übertragung von Borreliose und FSME

BioNTech/Pfizer-Impfstoff: Wie gut ist der Schutz vor Ansteckung?

Pollen und Viren (außer Corona) im Ruhemodus

Die Welt um uns herum ist jetzt saftig grün, alles sprießt, und einige Blumen wie die Tulpen sind an den meisten Orten schon verblüht. In den Wäldern zeigen sich jetzt die Maiglöckchen – filigrane weiße Glöckchen. Die echten Bärlauchanhänger können das Maiglöckchen einfach vom Bärlauch unterscheiden. Eltern sollten Kinder beim Pflücken jedoch unterstützen, damit sie auch später diese hübsche aber giftige Pflanze kennen. Weitere Informationen dazu hier.

Nicht nur im Wald, sondern eher in den Büschen an Wegesrändern und auch im eigenen Garten warten die Zecken auf Opfer. Erste Erkrankungen an FSME oder Borreliose sind bereits zu beobachten. Eltern sollten Ihre Kinder (und sich selbst) am Abend auf die Spinnentierchen hin untersuchen. Die Impfung gegen FSME macht für alle Menschen ab dem Schulalter Sinn, je nach individueller Belastung kann sie auch für Kleinkinder überlegt werden. In Baden-Württemberg ist sie ab dem ersten Geburtstag empfohlen. Zur Zeckenentfernung empfiehlt sich die sanfte Streichelmethode.

Vermutlich noch im Mai können Jugendliche ab dem 12. Geburtstag auch gegen Corona geimpft werden. Hierfür zugelassen ist der Impfstoff von BioNTech/Pfizer. Aber wie gut ist seine Schutz-Wirkung? Eine Studie im JAMA (Journal of the American Medical Association), der medizinischen Zeitschrift der amerikanischen Ärzte hat hierzu 2.776 geimpfte Mitarbeiter des St Jude Children’s Research Hospital in Memphis (Tennessee) untersucht. Gegenüber den ungeimpften Kollegen zeigte sich, dass 7 Tage nach der zweiten Impfung gerade einmal 1 asymptomatische Infektion auftrat gegenüber 10 Infektionen bei den Ungeimpften (IRR = 0,10). Trotz weiterer Überwachung konnte sieben Tage nach der zweiten Impfung keine Infektion mit Symptomen mehr aufgedeckt werden.

Todesursachen unter 10 Millionen Kindern pro Jahr Foto: Susan Waserman et al., Journal of Allergy and Clinical Immunology, 147

Wie gefährlich ist eigentlich eine Nahrungsmittelallergie? Dazu gibt es aktuelle Informationen, die ein Internationales Forscherteam um Susan Waserman aus Hamilton (Canada) durch Sichtung aktueller Veröffentlichungen zusammengetragen hat. In Bezug auf die Nahrungsmittelallergie ist das Ergebnis halbwegs beruhigend – ein Todesfall pro 10 Millionen Kinder und Jahr. Erschreckend sind die Autounfälle (633 Todesfälle), Suizide (351) und  die Todesfälle durch Waffengewalt (112).

Die Pollenbelastung ist inzwischen momentan gering. Eher kühle Temperaturen und täglicher Regen vermasseln den Pollenflug. Gut für Allergiker.

Infektionen – außer den Coronainfektionen – sind im Moment fast bedeutungslos. Das betrifft auch alle Kinderkrankheiten und selbst die Windpocken, die sich eigentlich leicht („Wind“…) ausbreiten können. Lediglich Hantavirus-Infektionen sind sehr häufig, betreffen aber nur selten Kinder und Jugendliche. Also weiterhin: Vorsicht beim Aufräumen von Scheunen und anderen staubigen Orten, an denen sich Mäuse aufgehalten haben könnten.

h  Seychellen Foto: pixabay, Walkerssk

Was geht in der Welt rum? Natürlich das Coronavirus. Und es erreicht auch unsere Sehnsuchtsorte wie die Seychellen, bei denen wir Deutsche an türkisfarbenes Meer oder exotische Drinks denken. Vor Wochen erreichten die Seychellen bei der Durchimpfung einen Spitzenplatz. Von den 100.000 Einwohnern sind über 60 Prozent geimpft, davon 57% mit dem chinesischen Sinopharm und 43% mit dem AstraZeneca-Impfstoff. Alles könnte gut sein. Nun kam es jedoch zu einer neuen Corona-Welle. Von den erkrankten Menschen waren 37% vollständig (mit 2 Dosen) geimpft. Unklar ist jedoch, welcher Impfstoff bei den Neuerkrankten verwandt wurde. Verglichen mit den Erfolgsmeldungen aus Israel sind die Zahlen erschreckend: Bezogen auf 1 Million Menschen erkrankten auf den Seychellen 2613 neu an Corona, in Israel jedoch nur 5 nach Angaben von Our World in Data.
Noch schnell ein tweet von @kono_HG
Kommunikation unter Eltern ist toll. Papa an ner unübersichtlichen Kreuzung:
„Kommt von rechts ein Auto?“
Mama: „Nein…“
Papa fährt an
Mama: „Aber ein Laster.“
An dem Tag habe ich viele neue Wörter gelernt. Und ich weiß seitdem, was eine Vollbremsung ist.
Bleiben Sie humorvoll und genießen Sie das Wochenende, herzlich grüßt Sie Ihr

Was geht rum? 29. August 2020

Noch zwei Wochen bis zum Ferienende. Urlauber mögen im Meer schwimmen oder Berge erklimmen. Eine zusätzliche tägliche Aufgabe für alle Reisenden bleibt die Beschäftigung mit den Bestimmungen um das Coronavirus.

Wenn Sie aus dem Urlaub zurück und wieder im Ländle sein sollten, stellt sich schnell die Frage: „Coronavirus und Schule/ Kita“. Bis es soweit ist vergehen noch zwei Wochen. Zeit, um einen Blick nach Köln zu werfen. Das Gesundheitsamt der Domstadt berichtet in einer Vorab-Veröffentlichung des Epidemiologischen Bulletin des RKI, dass in der Zeit vom 01. März bis 15. Juli in den Kölner Schulen 23 „Indexfälle“ auftraten. Das sind Kinder und Jugendliche, die mit dem Corona-Virus infiziert sind. Von ihnen haben sich 16 innerhalb der Familie und drei auf außerschulischen Veranstaltungen angesteckt (für die anderen 4 Schüler konnte die Quelle nicht eruiert werden). Die Ermittlungen führten zu 28 Kontaktpersonen, bei denen die Rachenabstriche (PCR-Tests) keine für die Schule relevanten Informationen ergaben. Diese und weitere bekannten Informationen über Coronainfektionen bei Kindern sprechen dafür, dass wir einen normalen Schulstart wagen können. Das sehen übrigens auch die amerikanischen Kinder- und Jugendärzte (AAP) so, die gerade einen ausführlichen Leitfaden für die Wiedereröffnung der Schulen (in Englisch) veröffentlicht haben. Dabei sollten wir immer an Voltaire denken: „Alle Menschen sind klug – die einen vorher, die anderen nachher.“

Wenn Ihr Kind krank werden sollte, erhalten Sie von der Krankenkasse Kinderkrankengeld. Pro Kalenderjahr und Kind können Sie für höchstens zehn Arbeitstage Krankengeld beziehen. Bei großen Familien mit drei oder mehr Kindern stehen höchstens 25 Tage pro Jahr zur Verfügung. Wenn beide Eltern arbeiten oder bei  Alleinerziehenden stehe doppelt so viele Tage zur Verfügung. Neu ist, dass infolge der Corona-Pandemie im Jahr 2020 jeweils fünf weitere Tage pro Elternteil (Alleinerziehende: weitere zehn Tage) gewährt werden können..

Die Blätter welk, aber die Früchte strahlen in der tiefstehenden Sonne: Eberesche. Quelle: ptw

Die Zeit der Pollen geht zu Ende, die Zeit der Früchte beginnt. Neben knackigen Äpfeln und saftig-süßen Trauben versuchen verschiedene Beeren auf sich aufmerksam zu machen. Einige davon sind giftig. Hier im praxisblättle gibt es dazu einige Beiträge. So z.B. zu den Tollkirschen, den Eiben und den Beeren des Pfaffenhütchens.

Infektionen sind immer noch selten. Auch von Kinderkrankheiten sind Kinder weitgehend verschont. Zwei neue Infektionen mit Keuchhusten und 49 Fälle mit Windpocken: Keine Masern, kein Mumps, keine Röteln.

Was geht in der Welt rum? Viele Menschen aus Süddeutschland besuchen gerne Italien. Nach den schlimmen Wochen im März und April ist dort die Lage in Bezug auf das Corona-Virus sehr gut – ohne dass dies bei uns so richtig wahrgenommen würde: In Italien sind laut der Europäischen Gesundheitsbehörde ECDC (in Englisch) über 14 Tage bezogen auf 100.000 Einwohner 16.5 Personen an COVID-19 erkrankt, in Deutschland in der gleichen Zeit 20.5 Menschen (Stand 26.08.2020).

Es gibt dort aber auch spezielle Krankheiten, die bei  kaum bekannt sind. So sind seit Anfang August 19 Erkrankungen mit dem West-Nil-Fieber-Virus aufgedeckt geworden, die in den Regionen Emilia-Romagna, Piemont und Lombardei auftraten. Die Ansteckung erfolgt über Viren, die von Stechmücken von einem Wirt zum nächsten übertragen werden. Konsequenter Mückenschutz ist die wirksamste Maßnahme.

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende,

Ihr

 

 

 

Was geht rum? 08. August 2020

Der Hochsommer ist wieder da. Mit ihm trockene Luft, in der sich Pollen Hunderte Kilometer weit bewegen können. Gräserpollen spielen im Südwesten vorwiegend in den höheren Lagen eine Rolle. Dort ist auch der Wegerich aktiv, während am Rhein die Beifußpollen bedeutsamer sind. Je länger es trocken bleibt, umso weniger Pollen sind übers Wochenende zu erwarten.

Banale Infekte spielen inzwischen kaum eine Rolle mehr. Die kleine Infektwelle, die mit der Öffnung der KiTas und Schulen einherging, ist vorbei. Und trotz alledem bewegen sich die Erkrankungszahlen bei den Kinderkrankheiten auf niedrigem Level. Seit 22 Wochen traten keine Masern auf – der letzte Woche gemeldete Fall war eine Fehlmeldung. Auch bei Keuchhusten und Windpocken wenig Neuerkrankungen – außer in der Region Freiburg.

Corona bleibt das Hauptthema. Ob nun Dauerwelle oder zweite Welle oder was auch immer: Das Corona-Virus ist unter uns und verbreitet sich. Nach den Ferien hat sich Prof. Dr. Drosten vom Robert Koch-Institut in DIE ZEIT mit klugen Gedanken zu Wort gemeldet: „Während das Virus mit der ersten Welle in die Bevölkerung eingedrungen ist, wird es sich mit der zweiten Welle aus der Bevölkerung heraus verbreiten.“ Künftig gilt es, Cluster – also Anhäufungen von Infektionen – schnell zu erkennen, bevor sich das Virus von dort aus spinnenartig ausbreitet.

Tollkirsche Quelle: pixabay, hans

Bald trägt die Tollkirsche in einigen Landstrichen wieder Früchte. Glücklicherweise sind diese schwarz und damit für die meisten Kinder nicht so recht attraktiv. Eltern schweigen sich also am besten aus, wenn sie an Tollkirschen vorbeikommen. Erst ältere Kinder und Jugendlichen sollten über die Gefährlichkeit dieser Pflanze aufgeklärt werden. Wenn Sie sich noch mal informieren wollen – hier in einem Beitrag des praxisblättle finden Sie das Wichtigste.

Was geht in der Welt rum? Für Reisende in Europa ist eine oft unbekannte, aber wichtige Erkrankung das West-Nil-Fieber. In den letzten vier Wochen traten in Griechenland zehn Infektionen auf, besonders in den Regionalbezirken Xanthi, Thasos und Serres im Nordosten des Landes. Mückenschutz ist wichtig.

Ab Montag schauen wir nach Berlin. Dort werden 365.000 Schülerinnen und Schüler wieder ihre Ranzen packen und zur Schule gehen. Dort soll Regelunterricht in voller Klassenbesetzung stattfinden. Manche Lehrer haben Sorge, wie das gut gehen sollte. Die Politik hat noch keine schlüssige Antwort geliefert. Immerhin landen am Flughafen in Tegel Flugzeuge mit 2000 Personen aus Risikogebieten – täglich. „Dit is Berlin“. Wir im Südwesten sollten genau hinsehen. Damit bei uns Regelunterricht ab Mitte September wieder für alle Schüler möglich wird.

Ich wünsche Ihnen ein faules Wochenende mit schattigen und leicht belüfteten Plätzen in der Natur, wo man die Seele baumeln lassen kann und verbleibe mit herzlichen Grüßen

Ihr

Peter Th. Wolff

TIPP: Was tun bei Vergiftung mit Reinigungsmittel

Vergiftungen mit Reinigungsmittel gehören zu den häufigsten Gründen, warum Eltern Rücksprache mit einer Vergiftungszentrale halten.

In Ihrem Jahresbericht von 2014 (eine neuere Version ist nicht online) wurden in der für Baden-Württemberg wichtigen Vergiftungszentrale in Freiburg 22.247 Notrufe betreffend Vergiftungen entgegengenommen. Die weitaus häufigsten Probleme traten bei Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren auf. Besonders betroffen war – wie auch in anderen Vergiftungszentralen – die Altersgruppe von 1-4 Jahren, Kinder, die die Welt erobern. Das ist das Alter, in dem Kinder die Garderobe hochklettern, die Herdplatte anfassen und alle Schubladen öffnen. Und eben auch Erde essen, Blätter kauen und aus allen Flaschen trinken: Die Zeit der Unfälle und Vergiftungen.

Art und Häufigkeit der Vergiftungen Quelle: Jahresbericht VZ Bonn

Welche Vergiftungen besonders bedeutsam sind zeigt die nebenstehende Graphik der Vergiftungszentrale Nordrhein-Westfalen der Universität in Bonn. Neben den Medikamenten – „Omas Herztablette“ – und Pflanzen sind die Wasch- und Reinigungsmittel im Haushalt besonders bedeutsam. In diese Gruppe fallen sehr verschiedene  Produkte, die für den Laien zunächst in ihrer Bedeutung kaum zu beurteilen sind. Man unterscheidet im Wesentlichen 2 Gruppen:

  • ätzende Produkte (Backofen‑, Grill- und Rohrreiniger, industrielle Reiniger, Stein- und Fliesen- reiniger u.a.)
  • reizende Produkte (Handspülmittel, Waschmittel, Weichspüler, Glasreiniger, Spülmaschinentabs)

Die erste Gruppe der ätzenden Substanzen müssen zunächst als Notfall eingestuft werden, wenn ein Kind davon getrunken hat. Oft ist unklar ob und wie viel es davon abbekommen hat. Weil jedoch die Folgen sehr schwerwiegend sein können, sollte auch bei Beschwerdefreiheit der Kinder- und Jugendarzt aufgesucht werden. Folgende Informationen sind wichtig:

  • Wer hat die Substanz eingenommen? Alter/ Geschlecht/ Gewicht/ Vorerkrankungen
  • Wann hat das Kind mutmaßlich die Substanz getrunken!? Uhrzeit merken.
  • Welche Substanz war es? Am besten Originalverpackung mitbringen
  • Wann traten ggf. erste Symptome auf und welche?
  • Adresse und Telefonnummer der Familie (für. ggf. Rückfragen)

Das Kind darf schluckweise etwas Flüssigkeit zur Spülung der Schleimhäute zu sich nehmen. Diese sollte, wenn möglich, zunächst ausgespuckt werden, um den Mund von Substanzen zu befreien. Auch Trinken von Wasser (!) ist erlaubt. Weitere Maßnahmen sollten bis zum Arztbesuch unterbleiben.

Die reizenden Produkte sind in der Regel weniger gefährlich. Sind die Kinder symptomfrei kann etwas Flüssigkeit (Wasser/ Tee) gegeben werden. Weiteres sollte nach Rücksprache mit dem Kinder- und Jugendarzt bzw. mit der Vergiftungszentrale abgeklärt werden.

Detaillierte Informationen zu Vergiftungen finden Sie hier auf der Homepage der deutschen Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Im akutem Vergiftungsnotfall – wenn Sie Ihren Arzt nicht erreichen können – im Südwesten bitte die Vergiftungszentrale in Freiburg anrufen: Die anderen Vergiftungszentralen in Deutschland haben übrigens die gleiche Durchwahlnummer mit der entsprechenden Vorwahl.

Giftzentrale Freiburg           0761  19240

Giftzentrale Charité Berlin   030  19240

Giftzentrale Bonn                   0228   19240

Giftzentrale München           089   19240

 

Vergiftung: Blauer Eisenhut (Aconitum napellus)

In den Alpen sowie den Mittelgebirgen Europas finden sich manche hübsche Pflanzen. Den Wanderern fällt ob seiner Schönheit der blaue Eisenhut sofort auf. Das ist auch gut so. Denn er ist hochgiftig und so kann diese Information an vielleicht neugierige Kinder weitergegeben werden. Bevorzugte Standorte sind feuchte und oftmals überdüngte Böden. Und was schön ist findet sich gerne auch in Gärten.

Der blaue Eisenhut ist 0.5 bis 1.5 Meter hoch. Auf seinem aufrechten und nackten Stengel stehen die violett-blauen Blüten in dichten Trauben. Blütezeit ist Juni bis August.

Giftig machen ihn Diterpen- und Esteralkaloide, die sich in allen Bestandteilen der Pflanze finden. Wenige Gramm des Pflanzenmaterials sind schon giftig. Die Giftaufnahme erfolgt auch durch die intakte Haut (und Schleimhaut), so dass bereits das Spiel mit den Blüten zur Vergiftung bei Kindern führen kann.

Symptome

Erste Symptome setzen erst nach 10 bis 20 Minuten ein. Dann setzen Brennen und Kribbeln im Mund ein. Diese Empfindungen breiten sich über die gesamte Haut aus bis zur völligen Gefühllosigkeit. Daneben tritt heftiges Erbrechen, kolikartiger Durchfall auf. Es folgen Lähmung der Muskulatur, Sehstörungen. Nach einem Herzrhythmusstörungen und Atemlähmungen kann der Tod eintreten.

Therapie

Sofort die nächste Kinderklinik aufsuchen.

Vergiftung: Einblatt (Spathiphyllum)

Das Einblatt, auch Friedenslilie und Scheidenblatt genannt – lateinisch Spathiphyllum –  ist eine typische Zimmerpflanze in deutschen Wohnungen. Kaum einer kennt ihren Namen, aber jeder erkennt sie auf einem Bild. Sie gilt als luftreinigend, soll also Gifte wie Ammoniak oder Benzol aus der Raumluft entfernen.

Das Einblatt enthält Oxalate, die sich häufig als nadelförmige Kristalle anordnen und bei Druck aus Zellen „herausschießen“ können. Dabei führen sie zu Gewebsreizungen.

Symptome

Nach Aufnahme von Pflanzenteilen kann es zu vermehrtem Speichelfluss, Übelkeit, Erbrechen sowie nachfolgend Bauchschmerzen und Durchfall kommen. Lokaler Kontakt der Haut kann zu Blasenbildung führen. Bei Augenkontakt ist die Wirkung besonders unangenehm: Bindehautentzündung mit kräftiger Reizung

Therapie

Da die Reizung der Kontaktstelle im Vordergrund steht, ist eine umgehende Anwendung von Wasser günstig. Besonders am Auge: das sollte mit lauwarmem Wasser gespült werden, ebenso betroffene Hautstellen. Eine Mundspülung mit Wasser vermindert die lokale Reizung.

Sollten die Augen betroffen sein, ist sicherheitshalber eine Vorstellung beim Augenarzt sehr zu empfehlen.

Giftpflanzen: Schneebeere – kein Problem

Die Schneebeere (Symphoricarpos albus) ist bei Kindern in der Natur als Wurfgeschoss sehr
beliebt. Verspeist wird sie dennoch eher selten. Sonst müssten Kinder ja auf Wurfgeschosse verzichten.

Symptome

Bei Einnahme ab 3-4 Beeren kann es zu Bauchschmerzen oder Erbrechen kommen. Schwere Vergiftungsfälle sind nicht bekannt.

Therapie

In der Regel nicht erforderlich (allenfalls ab 10 Beeren)

Giftpflanzen: Lorbeerkirsche

Wegen seines kräftigen Grüns übers ganze Jahr ist die Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus) in unseren Breiten eine sehr beliebte Gartenpflanze. Der bis zu 8 Meter hohe Strauch trägt im Herbst Früchte, die Vögel wie Kinder gleichmassen anziehen können. Für Deutschland sind weit mehr als 1000 Fälle einer Vergiftung dokumentiert.

Die Pflanze enthält besonders in den Blättern und den Samen Glykoside. Im Fruchtfleisch ist der Gehalt dieses Giftes hingegen geringer.

Symptome

Im Vordergrund stehen Beschwerden des Magen-Darm-Traktes wie Übelkeit und Erbrechen. Daneben auch Gesichtsrötung, Kratzen im Hals und Kopfschmerzen.

Therapie

Bei weniger als 3 – 4 Früchten besteht kein Risiko. Darüber hinaus gehende Mengen können Beschwerden auslösen und es sollte der Arzt bzw. die Vergiftungszentrale eingeschaltet werden. Dort kann dann das individuelle Risiko und die Notwendigkeit einer Therapie beurteilt werden.

Vergiftung: Oleander

Oleander. Im Sommer steht er auf vielen Terrassen und ist die erste Vorfreude auf den Urlaub in Italien oder Griechenland. Zudem ist er schön anzusehen. Aber unproblematisch ist er dennoch nicht.

Vergiftung

Alle Teile der immergrünen Pflanze sind giftig. Die spitz zulaufenden und ledrigen Blätter enthalten besonders viele herzwirksame Glykoside, die frischen doppelt so viel wie die trockenen.

Symptome

Nach Aufnahme von Anteilen der Pflanze (Blatt, Blüte) kommt es zunächst zu Magen-Darm-Symptome wie Bauchschmerzen, Erbrechen oder Durchfall. In schwerwiegenden Fällen kommt es zum Kollaps mit Herzrhythmusstörung bis hin zu Herz- und Atemlähmungen. Die giftige Dosis ist nicht bekannt.

Therapie

Nach Verzehr von Pflanzenanteilen sollte zunächst Flüssigkeit zugeführt werden. In jedem Fall wird zu einer Vorstellung beim Arzt und zur Giftentfernung geraten.

Kinder interessieren sich kaum für den Oleander. Das Risiko für eine Vergiftung ist also gering. Nicht ganz zu unterschätzen sind aber die festen spitzen Blätter, die bei Kleinkindern zu Verletzungen  im Gesicht führen können, wenn sie herumtollen und versehentlich mit dem Gesicht in den Oleander geraten.

Giftpflanzen: Pfaffenhütchen

Die Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus) sind hübsche Sträucher bzw. kleine Bäume mit orange-roten Früchten, die in unseren Gärten heute eher weniger anzutreffen sind. Ihre Schönheit reizt Kinder sie zu pflücken und zu probieren. Ingestionen kommen häufig vor, Vergiftungen sind jedoch eher selten. Die Samen der Früchte enthalten verschiedene Substanzen, so auch Alkaloide und Digitaloide. Neben dem Samen gelten aber auch die Blätter und die Rinde des Pfaffenhütchens als giftig.

Symptome

Im Vordergrund stehen Symptome des Magen-Darm-Traktes: Koliken, Durchfall und Fieber, die bis zu 15 Stunden nach der Aufnahme eintreten können. Daneben sind Leber- und Nierenschäden beschrieben.

Bis zu drei Samen werden problemlos vertragen. Die individuelle kritische Dosis ist jedoch nicht bestimmbar.

Therapie

Wenn maximal 3 Samen eingenommen wurden reicht es aus, zusätzliche Flüssigkeit anzubieten. In allen anderen Fälle (mehr Samen oder unklare Mengen) sollte ein Arzt konsultiert werden. Der muss im Einzelfall entscheiden, ob eine akute Giftentfernung notwendig ist