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Was geht rum? 08. Mai 2021

So kommen Sie einfacher an Ihren Impftermin: Tool aus Ostfildern

Fahrradhelm: Eltern als gutes Vorbild

Jugendliche in den USA/Kanada: Impfung mit BioNTech ab nächste Woche möglich

Nichts für schwache Nerven? Ohnmachtsanfälle nach Johnson&Johnson-Impfstoff

Kinder und Jugendliche: Wenig Infektionen, aber drohender Pollenflug

Endlich beginnt der Frühling richtig. Und für einen Tag, nämlich morgen am Sonntag, kommt der Sommer zurück. Viele Familien werden mit ihren Kindern das Haus verlassen, wandern oder auch Fahrradfahren.

Sie suchen für sich oder andere einen Impftermin? Ist ja nicht ganz leicht. Der 17-jährige Schüler Julian Ambrozy versteht etwas vom programmieren und hat ein sehr hilfreiches Tool für die Terminsuche für seinen Opa erstellt. Damit war er in 15 Minuten erfolgreich. Seither dürfen auch Sie den Link nutzen.

Fahrradfahrer: Anzahl der Helmträger. Foto: statistaUnter den Erwachsenen ist noch immer jeder zweite ein Helmmuffel. Das zeigt eine Umfrage unter 1352 über 18-Jährigen, die von YouGov und statista durchgeführt wurde. Der Anteil der der Befragten mit einem Elektrofahrrad oder Pedelec lag bei nur 10%. Fahrer von Rennräder, die sehr konsequent Helm tragen, waren nur mit 4 Prozent in der Untersuchung vertreten. Vielleicht kommt durch ein konsequentes (positives) Vorbild der Eltern nun eine Trendwende?

COVID-19-Impfungen für Kinder werden bald Realität. In den USA wird erwartet, dass die Zulassung des Pfizer/BioNTech-Impfstoffes für 12-15-Jährige schon für nächste Woche vorliegt. In Kanada ist das bereits seit letzter Woche umgesetzt. Daneben hat der amerikanische Pharmariese Pfizer angekündigt, die Impfung voraussichtlich im September 2021 für Kinder der Altersgruppe von 2-11 Jahren anzubieten. Es tut sich was! Für Familien könnten sich auch in Deutschland bis Ende des Jahres neue Freiheiten abzeichnen, die wir schon seit eineinhalb Jahren nicht mehr hatten. Kommen dann vielleicht wieder Zeiten ohne Masken auf uns zu? Man wagt kaum an so etwas  zu glauben.

Aller guten Dinge sind drei? Foto: pixabay, Manfred Antranias Zimmer

Es war zu erwarten: Das Pharmaunternehmen Moderna bringt eine dritte Impfung ins Spiel. In einer Studie habe sich gezeigt, dass diese dritte Impfung eine deutlich bessere Wirkung gegenüber den Virusvarianten (B1.351; P1) bewirke. Grundlage ist allerdings eine Untersuchung von nur 40 Personen.

Das Center for Disease Control and Prevention (CDC) berichtet von Angstzuständen nach der Impfung mit dem Impfstoff von Janssen/Johnson&Johnson. Bei Massenimpfungen an fünf verschiedenen Standorten sei es unter 8624 Geimpften zu Benommenheit, Schweißausbrüchen und Ohnmachtsanfällen gekommen. Betroffen waren 64 Personen. Letzteres, was Mediziner als Synkope bezeichnen, trat mit einer Häufigkeit von 8.2 Fällen auf 100.000 Impfdosen auf. Das ist deutlich mehr als bei Grippe-Impfungen, bei denen diese Zustände nur in 0.05 Fällen pro 100.000 Impfungen vorkommen.

Nach zaghaftem Frühlingsbeginn heute, wird morgen wohl schon der Somme im Ländle Einzug halten. Allergiker müssen sich auf einen erheblichen Gräserpollenflug einstellen.

Bei allem Ärger in der Coronapandemie um Impftermine oder die Einschränkungen der Freiheitsrechte: In der Pandemie sind viele Infektionen deutlich seltener aufgetreten. Das betrifft etwa die Rotavireninfektionen, die besonders Kleinkinder im Frühjahr heimsuchen. Vor zwei Jahren waren bis Anfang April 965 Erkrankungen aufgetreten, im letzten Jahr (Abklingen der ersten Corona-Welle) 285 Fälle. Im Jahr 2021 waren es bislang nur 128 Erkrankungen – ein Siebtel gegenüber der Vor-Corona-Zeit.

Was geht in der Welt rum? Auch für viele Nicht-Industrieländer ist die Corona-Pandemie eine enorme gesundheitliche Belastung, wirtschaftlich ist die Pandemie eine Katastrophe. Die Bevölkerung vieler Ländern ist zwar sehr jung: In einigen Ländern Afrikas wie Niger, Uganda oder Mail ist über die Hälfte der Menschenunter 16 Jahre alt. Dadurch erkranken zwar weniger Menschen schwer an COVID-19. Mit solchen Erkrankungen ist das Gesundheitssystem jedoch völlig überfordert. Da wäre eine Prävention wichtig. Doch den Zusagen über die Lieferungen von Impfstoffen folgten wenig Taten: So sind in Afrika gerade mal 1% der Menschen erstmals geimpft, in Asien 4.4% (Europa: 32%, USA 49%). Eine Forschergruppe der Universität Oxford hat errechnet, das 1 von 100 Impfdosen an die armen Länder des Südens geliefert wurden. Gerade China und Russland setzen den Impfstoff häufig ein, um politische Erfolge zu erzielen.

Viel Spaß und Genuss an diesem sonnigen Wochenende wünscht Ihnen Ihr

Antibiotikaverbrauch – mehr ärztliche Kompetenz ist gefragt

Antibiotika sind ein Segen. Eigentlich. Wie bekannt, können antibiotische Medikamente auf die eine oder andere Art die Vermehrung von Bakterien stoppen. Damit helfen sie einem betroffenen Kranken, seine Krankheit leichter oder überhaupt besiegen zu können.

Die entscheidende Frage ist also, handelt es sich beim Auslöser der Erkrankung die behandelt werden soll um Bakterien oder eben doch nicht. Leider gibt es hierfür in vielen Fällen keine klaren Hinweise. Manche Diagnosen wie der Scharlach – mit seinem typischen Ausschlag – sind ein klarer Beweis für eine Erkrankung durch Bakterien. Beim Scharlach ist nur nicht so ganz klar, ob Antibiotika immer sinnvoll und notwendig sind. Andere Erkrankungen wie die Influenza (Grippe) gehen mit sehr hohem Fieber über viele Tage. Menschen sind schwer krank und dennoch: die Ursache sind Viren, keine Bakterien. Es kann aber vorkommen, dass sich auf der Grundlage der Virusinfektion – in diesem Fall einer Influenza – eine Lungenentzündung durch Bakterien aufbaut. Genau an diesem Punkt wird es schwierig. Weder Laborwerte wie das oft beschworene CRP (C-reaktives Protein) , noch ein Röntgenbild und schon gar nicht die Höhe des Fiebers helfen hier in der Beurteilung weiter. Oft ist es so, dass die Gesamtheit vieler Faktoren die Wahrscheinlichkeit für oder gegen Bakterien als Ursache erhöht oder senkt.

Schon medizinische Überlegungen machen den gezielten Einsatz von Antibiotika nicht ganz leicht. Der Umgang mit diesen potenten Arzneimitteln unterliegt noch vielen Einflüssen. Einer ist auch, dass bei schweren Erkrankungen Patienten dieses Medikament oft einfordern und der Arzt dem Druck wider besseres Wissen nachgibt. Auch bei hohem Fieber im Rahmen einer Virusinfektion helfen Antibiotika nicht.

Abbildung 1. DDD für Antibiotika in verschiedenen Ländern. (A -oberer Bildteil) zeigt die Veränderungen im Verbrauch über die Jahre 2000 – 2015 (B unterer Bildteil) zeigt die DDD nach Ländern. Foto: http://www.pnas.org/content/early/2018/03/20/1717295115

Letztlich erstaunt es also nicht, dass der Verbrauch von Antibiotika auch in unterschiedlichen Ländern großen Schwankungen unterliegt. Da hat sich in den vergangenen 15 Jahren viel getan. Die umfangreiche Studie von Eili Y Klein und Mitarbeitern ging diesen Fragen nach. Sie untersuchten den Verbrauch anhand der sog DDD: defined daily dose. Das ist die durchschnittliche Dosis eines Medikaments, die für einen Patienten pro Tag benötigt wird. In der Abbildung 1 rechts ist im unteren Teil B die DDD für 1000 Patienten in verschiedenen Ländern aufgeführt. Die Farbe markiert den Wohlstand der Länder. Dabei zeigt sich, dass der Wohlstand nur bedingt mit dem Verbrauch an Antibiotika zu tun hat. Lediglich in den sehr armen Ländern werden aus Armut sehr wenig Antibiotika eingesetzt. Den höchsten Verbrauch an Antibiotika haben die Türkei, Spanien, Griechenland und Frankreich (DDD über 35). Deutschland liegt mit etwa 20 im Mittelfeld. Am besten liegt seit Jahrzehnten schon die Niederlande mit dem gleich hohen Verbrauch wie das Entwicklungsland Bangladesh. Dieser dürfte in den Niederlanden der medizinischen Einsicht, im Bangladesh eher der Armut geschuldet sein.

Antibiotika können lebensrettend sein. Oder komplett überflüssig. Und manchmal auch schädlich. Was für den Patienten in seiner persönlichen Situation günstig ist, muss also immer mit gutem medizinischem Wissen und kritischer Beurteilung abgewogen werden.